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I. Abteilung. Abhandlungen.
Sickinger sagt: „Unter einer größeren Zahl von Kindern verschiedenen
Alters stehen die an Alter einander nahekommenden Individuen auch psychologisch
einander am nächsten, da die Reife des jugendlichen Geistes im allgemeinen stetig
fortschreitet. Die erste Forderung einer naturgemäßen Gliederung, die im höheren
Schulwesen schon längst durchgeführt ist, lautet deshalb: So viel Jahre die
Schulpflicht umfaßt, in so viel Klasienstufen gliedert sich der Organismus der
achtjährigen Schulpflicht entsprechend als acht aufsteigende Stufen."
Deshalb beklagt er es, daß in mancher der 44 Großstädte, über die eine
Statistik vorliegt, namentlich in norddeutschen Städten, noch nicht für jedes Schuld
jähr eine Klasse vorhanden sei. In derselben Stadt gebe es vier- bis achtstufige
Systeme. „Welche Hemmnisse dieser Umstand für den natürlichen Entwicklungs
gang derjenigen Schüler bildet, die infolge Wohnungsveränderung ihrer Eltern
während ihrer Schulpflicht wiederholt innerhalb der gleichen Stadt die Schule
wechseln, ist auch dem Nichtschulmann ohne weiteres einleuchtend."
In 8 von den 44 Städten gab es zwei oder drei verschiedene Gattungen
von Volksschulen, einfache, mittlere und höhere, die nach Lehrziel, Schülerzahl der
Klassen, Zahl der Unterrichtsstunden, Schulgeld usw. sich unterschieden. So gab
es 1901 in dem zirka 207000 Einwohner zählenden Chemnitz 3 höhere,
7 mittlere und 24 einfache Volksschulen. „Von den 31670 Kindern besuchten
7 °/o die höhere, 20 °/o die mittlere, 73 °/o die einfache Volksschule. Das jähr
liche Schulgeld beträgt in der höheren Volksschule 48—60 M., in der mittleren
19—20 M., in der einfachen 4,80 M. Die durchschnittliche Klassenfrequenz be
trägt in der höheren Volksschule 31, in der mittleren 39 und in der einfachen
44 Schüler. Auch in der Stundenzahl zeigt sich ein gradueller Unterschied: die
höhere Volksschule hat die größte, die einfache die niedrigste Stundenzahl. Ferner
bestand bis 1902 nur an der höheren Volksschule das Achtklassensystem; die
mittlere und einfache hatten sich bis dahin mit dem siebenstufigen System, das
die beiden obersten Jahrgänge vereinigt, begnügen müssen." Sickinger sagt mit
Recht, daß mit solcher Einrichtung der Forderung nach Berücksichtigung „der
natürlichen Leistungsfähigkeit" nicht gerecht zu werden ist. Es ist eine Gliederung
nach dem Geldbeutel.
Aber auch in den 36 Städten mit einheitlichem Schultypus wird man ihr
nicht gerecht.
Berlin hatte bis 1901 sechsklassige Systeme, bei denen der ersten Klaffe
drei Jahrgänge zugewiesen waren. 1899 erreichten hier von 19913 zur Ent-
laffung gekommenen Schülern 12 255, also 61,5 °/o, die erste Klaffe. 1902,
nachdem das achtklassige System eingeführt war, haben von 22137 Kindern
2221, also 10 °/o das normale Schulziel erreicht, 41,8 °/o erreichten die zweite,
24,6 °/o die dritte, fast 15 °/o nur die vierte Klaffe, 6,7 % gingen aus der
fünften und 1,6 °/o aus der sechsten Klasse ab.

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