Dispositionsschwankungen bei Kindern.
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Zur Beseitigung äußerer, körperlicher Veranlassungen zu
Dispositionsschwankungen sind in erster Linie Arzt und Elternhaus berufen.
Durch das Ausheilen eines körperlichen Leidens, durch eine Regelung der Diät,
des Verhältnisses zwischen Schlafen und Wachen, Ruhen und Arbeiten, durch die
Nötigung zum Aufenthalt in freier Luft, zum anregenden, aber nicht ermüdenden
Wandern, zur Ausnutzung der Sonnenscheinstunden des Tages, durch zweck
entsprechende Ordnung der Bekleidung in den verschiedenen Jahreszeiten ist leicht
bei der sensiblen Natur des schwachsinnigen Kindes ein Wohlbefinden zu erzeugen
oder eine unwesentliche Veranlassung zu Schwankungen in der Disposition im
voraus zu beseitigen.
Bei der Leichtberührbarkeit des schwachsinnigen Kindes gewinnt die Ein
wirkung der Lehrerpersönlichkeit an sich erhöhte Bedeutung. Unfreundliche
Eigenart im Wesen und jeweilige Stimmungstiefpunkte des Lehrers übertragen
sich suggestiv auf die schwachsinnigen Kinder. Wie es oft nur eines leichten,
lustigen Tones in der ersten Frage, eines freundlichen, aufmunternden Wortes
bei Beginn des Unterrichts bedarf, um die schwachsinnigen Schüler zu gleich-
fröhlicher Mitarbeit zu veranlassen, so genügt die Einwirkung einer ernsten
Miene, einer verstimmten, ablehnenden, unwilligen Antwort des Lehrers, um die
Disposition des schwachsinnigen Kindes herabzudrücken und für den Unterricht
ungünstig zu gestalten.
Eine zielbewußte therapeutische Behandlung der Dispositionsschwankungen bei
schwachsinnigen Kindern setzt voraus, daß der Erzieher den pädagogisch-psychologischen
Blick besitzt, die Art der Schwankung und die Bedeutung derselben für die
Persönlichkeit des betreffenden Schülers zu erkennen und richtig zu be
urteilen, setzt ferner den pädagogischen Takt voraus, unter den päda
gogischen Mitteln die zweckmäßigen auswählen zu können.
Scharfe Beobachtung, Eindringen in die Eigenart jedes Kindes, in die Wechsel
wirkung der verschiedenen Naturen inmitten der verschiedenen Zustände, Verkehr
mit dem Arzt und mit den Eltern, Beobachtungen über die Belastungsgrenzen
bei verschiedenem Dispositionsniveau werden Blick und Urteil des Erziehers
schärfen; vorsichtige praktische Versuche werden ihn sicher machen in der Wahl
geeigneter Mittel. Seine Therapie muß die Leichtberührbarkeit des schwachsinnigen
Kindes ausnutzen, um das Hereinbrechen der ungünstigen Disposition zu ver
hindern und die Kinder dauernd oder vorübergehend von ihrer Last zu befreien.
Wie oftmals durch eine geringe Veranlassung eine Vertiefung des ungünstigen
Zustandes herbeigeführt wird, kann ebenso durch einen unscheinbaren Grund
eine Hebung des Gesamtbefindens und -strebens bewirkt werden. Wenn sich
des Erziehers Bemühen um die Beseitigung der schweren, durch das Elternhaus
in Wirkung versetzten Ursachen als vergeblich erweist, so dürfte sein Bestreben,
die kleinen durch das Elternhaus geschaffenen Veranlassungen und Ursachen zu

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