Dispositionsschwankungen bei Kindern.
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alle diese kleinen pädagogischen Mittel verfangen stets bei Schwachsinnigen, um auf
Augenblicke oder auf Stunden über einen Dispositionstiefpunkt etwas hinwegzuhelfen.
Eine besondere Wichtigkeit gewinnt für diesen Zweck die Schulpause.
Unter Aufsicht des Lehrers bietet sie dem Kinde Gelegenheit, sich frei und un
gebunden, selbstredend in den Grenzen der Schulpolizei, zu geben und zu verkehren.
Um seine Schulziele nicht aus den Augen zu verlieren, muß dem erfahrenen
Hilfsschullehrer aber auch die Freiheit zugestanden werden, mit der Kraft seiner
Schüler zu Zeiten günstiger Disposition nach bestem Wissen und Gewissen haus
hälterisch zu wirtschaften, die günstige Disposition seiner Schüler ausnützen zu
dürfen. Infolge des Tiefstandes der Durchschnittsdisposition einer Schwachsinnigen-
klasse ist zu Zeiten eine Rechenstunde, eine Übung im freien Gedankenausdruck
unmöglich. Ein Anspannen der kindlichen Kräfte in solchen Stunden zu äußerster
Leistung wäre zwecklos und pädagogisch zu verurteilen. So weit es die Schul
verhältnisse zulassen, muß es in solchen Fällen dem erfahrenen Hilfsschullehrer
erlaubt sein, geringe Veränderungen des Lektionsplan es selbständig
vorzunehmen: leichtere, anregende Lektionen gegen anstrengende auszutauschen
und schwierige Probearbeiten an Tagen, bezw. in Stunden günstiger Durchschnitts
disposition anfertigen zu lassen.
Auch die äußere Organisation der Hilfsschuleinrichtung kann
beitragen zur Verminderung der Dispositionsschwankungen schwachsinniger Kinder.
In den Nebenklassen, die entweder isoliert oder ohne Organisation den Gemeinde
schulen angefügt sind, häufen sich die durch die Art der Zusammensetzung des
Schülermaterials hervorgerufenen freisteigenden Veranlassungen zu Schwankungen
in der Disposition. Durch die Einrichtung mehrstusiger Organismen werden
die Differenzen nach Alter, Eigenart und Bildungsgrad etwas ausgeglichen und
mancherlei Veranlassungen zu Dispositionsschwankungen im voraus aufgehoben.
Die Dispositionsschwankungen treten daher in organisierten Hilfsschulen nicht in
derselben Häufigkeit auf; die Dispositionskurve der einzelnen Klassen zeigt schwächere
Abweichungen. Das größere Gleichmaß im Disponiertsein aber bewirkt eine
wesentliche Förderung der unterrichtlichen und erzieherischen Erfolge. Neben den
bekannten Gründen spricht auch der Hinweis auf die pädagogische Bedeutung
der Dispositionsschwankungen für die Notwendigkeit organisierter Hilfsschul
einrichtungen?)
i) Eine pädagogische Würdigung der gegebenen Beispiele und einer Reihe von
experimentellen Untersuchungen, sowie eine abschließende Betrachtung über den Gegen
stand findet der Leser in der soeben erschienenen Monographie des Verfassers: Dis-
positiousschwankungen bei normalen und schwachsinnigen Kindern.
(Mit Schriftproben und Tabellen.) V. Heft der „Beiträge zur Pädagog. Pathologie".
Verlag von C. Bertelsmann in Gütersloh.

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