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Zur Geschichte des Schul
wesens. O Biographien.
Korrespondenzen, m m
II. Abteilung.
(2.9
Lehrproben, m m m
Erfahrungen aus dem
Schul- und Lehrerleben.
Sprachliche Plaudereien.
Von Seminaroberlehrer a. D. Hollenberg in Rheydt.
(Schluß.)
Wachen, wach, Wacht, wachsen. Wucher.
Das ahd. wählen, as. wakon heißt wach sein oder werden, nicht schlafen.
Nicht bloß der Mensch oder etwa der Hund wacht, sondern sogar die Welt kann
wachen. Wach auf, wach auf, du sichre Welt! so heißt es im Kirchenliede.
Auch das Auge wacht, sogar das Auge des Gesetzes. Glocke. Die Rache wacht.
Aus wachen ist sein Kausativ wecken hervorgegangen, wach machen, munter
machen, anregen, antreiben. Gefährlich ist's, den Leu zu wecken. Glocke. Ver
trauen, Hoffnung, Furcht wecken oder erwecken. Eine Uhr, die wecken soll, heißt
Wecker oder Weckuhr. Eine Zeit, in der die religiösen Bedürfnisse besonders
wach oder rege sind, heißt Zeit der Erweckung. Ein gewisser religiöser
Traktat heißt Weckstimmen.
Jetzt kann man nach beendetem Schlafe sagen: Ich bin wach. Bor 200
Jahren konnte man das noch nicht; damals war das Wort noch nicht vorhanden
und man sagte: ich bin wacker, d. h. wachend. Das Wort wacker gilt noch
in diesem Sinne am Niederrhein und in Holland, auch in der Form wackcrig.
Im übrigen wird wach auch übertragen gebraucht. Es wurden immer neue
Bedenken wach. Das Wort wacker bezeichnet jetzt nicht wach, sondern munter,
frisch, kräftig, tüchtig, rührig. Ihr seid ein gar zu wackrer Mann. Gellert.
Zu wachen gehört die Wache mit der Nebenform die Wacht. Es sind
Wörter des Sicherheits- und Kriegswesens. Wache halten, — stehn, auf Wache
ziehn, nach der Wache schicken, ein wachhabender Offizier. Daneben Wache der
Ort oder das Gebäude, wo sich die Wache befindet. Er wurde auf die Wache
gebracht. Zu der Nebenform Wacht gehören: der Wachtdienst, das -feuer, der
meister, die -Parade, der -türm, auf dem Wacht gehalten wird; der Wächter.
Die Franzosen hörten 1870 ungern: die Wacht am Rhein.
Das srz. Wort divouae ist das deutsche Biwack, Beiwache. Feldwache;
es ist später von uns übernommen, tritt aber allmählich als Biwack oder Bei
wacht wieder in deutscher Form auf.
Die Wachtel ist nach einigen der Vogel, der schon vor Tagesgrauen wach
ist und seinen Ruf erschallen läßt.
Ein vor stark 200 Jahren von wachen gebildetes Wort ist wachsam und
daneben Wachsamkeit. Das ahd. säur als zweiter Teil von Zusammen
setzungen bezeichnet Neigung zu etwas, Vereinigung mit etwas. Man vergleiche
lenksam, friedsam, heilsam. So ist wachsam gern, leicht oder aufmerksam wachend.
Ein wachsamer Hund. Ein wachsames Auge auf etwas haben.
Mit wachen ist auch verwandt wachsen, rege sein, munter sein, in
Lebenskraft sein, lebenskräftig sich entwickeln und mehren, zunehmen, größer
werden. Ein Erwachsener ist ein ausgewachsener Mensch. Der Ausdruck
wachsen wird auch übertragen gebraucht: Unglück und Haar wachsen durchs ganze

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