128 II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
Aber das Mittelwort gewohnt hat sich erhalten. Nachdem nun Paulus
gewohnt war, ging er in die Judenschule. Apg. 17. Ich kann nicht also gehen,
denn ich bin es nicht gewohnt. 1. Sam.
Die Wurzel von gewohnt hat wohl „sich gefallen" bedeutet, was das got.
wunan „sich freuen" nahe legt. Das Gewohnte ist dasjenige, woran man
Gefallen findet. Und so hängt auch das Zeitwort wohnen mit gewohnt
zusammen. Jung gewohnt, alt getan. Wohnen, ahd. wonon, heißt sein,
bleiben, ständigen Aufenthalt haben — weil man sich freut — man denke an
das häufige Aufsuchen neuer Wohnplätze bei unsern Vorfahren — jeder baute
sich an, wo es ihm gefiel, — und so wird einem auch der frühere Sinn klar:
verweilen, bleiben, harren. Man freute sich an einem Orte, — und die Folge
war, daß man blieb — man wohnte.
Da stellen sich nun allerlei Verwandte vor: die Wohnung, der Bewohner,
Einwohner, ein Anwohner der Meeresküste. Man kann ein wohnliches Haus
bewohnen, es auch durch Wohnen herunterbringen, es verwohnen. Und da
Mann und Frau dieselbe Wohnung inne haben, so pflegt man die Verheiratung
oder Hochzeit auch als Beiwohnung zu bezeichnen. Auch wohnt man einer
Versammlung an oder bei.
Auf denselben Stamm führt man das Wort Wonne zurück. Es bezeichnet
Freude, Lust, das Schönste und Beste. Und so spricht man von der Augen
Wonne oder auch von der Augen Weide. Ja, unsere Vorfahren bezeichneten
einen futterreichen Weideplatz als Gegenstand der Freude mit wunnea. Dies
Wort ist uns erhalten in Wonnemonat. Es ist der Monat, in dem man
das Vieh aus den elenden Ställen wieder auf die Weide treiben konnte. Es
ist also sehr unrichtig, wenn wir von einem Wonnemonat viel Freude und
Wonne erwarten; wenn er dem Vieh die grüne Weide erlaubt, so hat er für
seinen Namen genug geleistet. Wie wichtig das Austreiben des Viehes unsern
Alten war, ersieht man auch daraus, daß der Name Frühjahr, Frühling oder
Lenz in gewissen Gegenden fast ungebräuchlich ist. Er wird vertreten durch
Ausgehtag, Utgohndag, Utdag, durch Aus- und Eindrift, man treibt das Vieh
aus dem Stall und auf die Weide. Zu Wonne stellen wir noch wonnig,
anmutig, wonnesam, ergötzlich. —
Zu demselben Stamm gehört wini, der Freund, der Geliebte, einer, den
man gern hat, der einem gefällt. Das Wort findet sich als zweiter Teil in
mehreren Namen. Alwin (Alwine) edler Freund; Baldewin oder Balduin,
kühner oder getroster Freund; Malwine (Ma(da)l-wine), Redefreundin.
Ein weiterer Verwandter ist der Wunsch. In diesem Worte tritt die
Bedeutung der Wurzel als „gern haben" sehr hervor: Begehren, Verlangen, sich
wonach sehnen, desgleichen in dem Worte wünschen. So heißt darnach auch
die Wünschelrute, -gerte, das Wünschelreis, der Wünschelstab. Hier handelt
es sich freilich auch um eine wundertätige Kraft. Verwandte: gewünscht, er
wünscht; anwünschen; Segenswunsch, Glückwunsch.
Zu der Familie gehört ferner der Wahn und wähnen; gern haben
und also hoffen, meinen. Erst viel später ist nach und nach die Vorstellung
„ungegründet" dazu getreten. Der arge Wahn, jetzt Argwohn, ist eine böse
Meinung, ein Verdacht.
Endlich sehen wir noch einmal auf das Wort gewöhnen zurück, von dem
.wir erwähnten, es sei jetzt nicht mehr gebräuchlich. Sein Faktitivum (Bewirkungs-

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