Zum neuen Jahre.
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Die Abgangsstatistik der 44 Städte zeigt, daß in den Schulen mit ein
stufigen Klassen im Durchschnitt 63,6 °/o der Knaben das Schulziel erreichten.
In den Städten mit siebenstufigem Schulsystem betrug dieser Durchschnitt 63,95,
in denen mit verschiedenen Systemen 68,65 °/o.
Sickinger macht mit Recht darauf aufmerksam, daß in den Schulen, in
denen die Oberklasse zwei oder drei Jahrgänge umfaßt, nur die Schüler das
Schulziel haben erreichen können, die zwei oder drei Jahre dieser Klasse angehört
haben, daß ferner in stark besetzten Schulen oft Schüler hinausgeschoben werden,
die das Klassenziel nicht erreicht haben. Ziehe man dies alles in Rechnung, so
komme man zu dem Ergebnis, daß nicht die Hälfte aller Schüler in den großen
Volksschulkörpern x ) die Volksschule innerhalb der gesetzlichen Schulpflicht regelrecht
absolviert.
Sickinger sieht weiter auf das Lehrpersonal und sagt, daß die Städte sich
durchweg der leistungsfähigsten Lehrer erfreuen. In betreff der Lehrpläne fordert
er, daß sie sich möglichst den Bedürfnissen der Volksschulbevölkerung anpassen.
Weiter verlangt er möglichste Herabsetzung der Klaffenfrequenz.
Daß aber auch mit bescheidenem Lehrplan und mäßiger Klassenfrequenz dem
Übel nicht abzuhelfen ist, zeigt Sickinger an den Erfahrungen in Leipzig. Dort
haben die einstufigen Klaffen 38 bis 39 Schüler, diese werden nach mäßigem
Lehrplane unterrichtet und doch erreichen nur 71,22 °/o anstandslos das Schul
ziel. „Die Leipziger Schulstatistik vom Jahre 1901 zeigt in übersichtlichen Ta
bellen, daß in den Bezirksschulen fast jede Klasse mit Zurückgebliebenen aus
zwei, drei, vier und fünf Jahrgängen belastet ist. Der Direktor des statistischen
Amtes in Leipzig, Professor Dr. Hasse, zieht als objektiver Beobachter aus dieser
Sachlage folgenden Schluß: „Unseres Erachtens beweisen diese Tabellen mit
größter Deutlichkeit die dringende Notwendigkeit einer andern Organisation in
der Klassenbildung der zurückbleibenden Leipziger Volksschulen. Es kann nicht
unsere, der Statistiker, Aufgabe sein, die Wege zu kennzeichnen, die eine Reform
zu betreten hat, um den Forderungen zu genügen, die sich aus unsern statistischen
Untersuchungen ergeben. Das ist Sache der pädagogischen Wissenschaft und der
Schulverwaltung. Aber auch wir (Statistiker) von unserm Standpunkt aus sind
zu der Behauptung berechtigt, daß die vorhandenen Zustände auf eine Kräfte
verschwendung hindeuten, sowohl zu Ungunsten der Lehrer, wie der Zurück
bleibenden als auch der normal und übernormal veranlagten Kinder, eine Kräfte
verschwendung, die auf dem Wege der Differenzierung in dem großen Organis
mus der Volksschule einer Großstadt eine viel leichtere Ausgleichung finden kann
als in den Schulen mittlerer oder kleinerer Gemeinden.""
y Unter Volksschulkörper versteht Sickinger die Gesamtheit der der Volksschule an
gehörenden Kinder einer Stadt.

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