Arbeiten in Naturholz.
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Ausrüstung, Waffen usw. Alles das hieß auch wohl von der Kriegsreise
„reisiger Zeug". Das Wort ist noch lebendig erhalten in diesem Sinne in
Zeughaus. Die Turnvereine haben heutzutage auch einen Zeugwart,
einen Gerätewärter.
Aber wie hat sich überhaupt der Sinn von Zeug erweitert! Zeug ist
nicht bloß Gerät für den Krieg, sondern Gerät für jede Arbeit, jedes Werk:
Werkzeug, auch sogar Stoff und Material zur Arbeit, gewebte und genähte
Stoffe, Kleidung aller Art. Unterzeug, Zeugstiesel. Es gibt sogar Leute, die
ihnen widerwärtige Speisen als garstiges Zeug bezeichnen. Und durch das dem
Ziehen nahestehende Zeitwort zaujan oder die ndd. Form tauen, fertig machen,
fertigen entwickelt sich für Werkzeug das Wort Getan, niederbergisch oder
kölnisch Gezau, was die verschiedenste Anwendung findet. Weber bezeichnen
damit den Webstuhl, Fuhrleute ihre Karre oder den Wagen, Flußschiffer ihr
Schiff. Und vor 200 Jahren kommt im Rechenbuch von Servatius Schlieper
aus Elberfeld ein „Landgetäuer" vor, der mit seinem Getan oder Wagen
über Land fährt, also ein Frachtfuhrmann. Das zugrunde liegende Wort sich
zauen oder sich tauen vertritt in der Mundart das fehlende eilen, sich beeilen,
und man hört oft, wie dem Langsamen zugerufen wird: Zau dich oder tau dich!
Arbeiten in Naturholz.
Von Hauptlehrer A. Grünweller, M. Saarn.
Am 8. Januar d. I. fand in Mülheim a. Ruhr eine interessante und
lehrreiche Ausstellung in Knabenhandarbeilen statt. Lehrer K. Köhler zeigte hier,
was er in seinen Handarbeitskursen mit etwa 80 neun' bis vierzehnjährigen
Knaben der höheren und niederen Schulen geleistet hatte, und es ist ohne Frage,
daß die Resultate seiner Unterrichtsarbeit ernste Beachtung verdienten und fanden.
Es handelt sich um sog. Naturholzarbeiten. Wer sich für die Sache interessiert,
möge sich die Schrift: „Arbeiten in Naturholz, entworfen und gezeichnet
von Karl Köhler, mit 86 Abbildungen auf 32 Tafeln, Leipzig, Verlag von
Seemann u. Co." beschaffen. Der Verfasser bestimmt den Begriff der Natur
holzarbeit wie folgt: „Die Naturholzarbeit stellt sich als denjenigen Zweig der
häuslichen Kunstfertigkeit dar, welcher aus Holz mit oder ohne Rinde, so wie es
die Natur uns bietet, einfache, aber in ihrer Art formenschöne Gegenstände her
vorbringt." Er verfolgt mit seinen Bestrebungen im wesentlichen einen dreifachen
Zweck: 1) Die Knaben sollen dem schädlichen Einfluß der Straße entzogen,
2) gewisse Übelstände unseres Volkslebens (Verrohung, Verschwendung, Schwinden
des Familiensinnes) sollen bekämpft, 3) die praktische Intelligenz soll entwickelt
und gepflegt werden. Ob und in welchem Maße sich das vorgeschlagene Mittel
in der erwähnten Richtung wirksam erweisen kann, ist eine Frage, die wohl der
Erwägung und Prüfung jedes Schulmannes und Volksfreundes wert ist Es
handelt sich hier um einen Zweig des Handfertigkeitsunterrichtes, der schon darum
eine besondere Beachtung verdient, weil er mit den einfachsten Mitteln und ganz
geringfügigen Kosten betrieben werden kann. Das Hauptwerkzeug ist ein gewöhn
liches gutes Taschenmesser. Was sonst noch Vewendung finden kann: Hammer,

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