134 II Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
Zange. Säge und ein paar Nägel findet sich in jedem Haushalte. Das Material
bietet jeder Wald, jeder Baumhof in Hülle und Fülle. Für gewöhnlich genügt
das sog. Flick- oder Abfallholz.
Wenn von Handfertigkeitsunterricht die Rede ist, handelt es sich für uns
nicht um das Streben nach einem weiteren obligatorischen Unterrichtsfach für die
Volksschule. Wie zur Zeit die Verhältnisse liegen, müssen und werden wir Lehrer
(von wenigen Ausnahmen vielleicht abgesehen) uns mit Hand und Fuß gegen
jeden Versuch wehren, uns noch eine größere Last auf den Hals zu laden. Eine
volle Kraft ist nötig, um in unsern Volksschulen nur einigerniaßen befriedigende
unterrichtliche Resultate erzielen zu können, von den noch viel wichtigeren erziehlichen
Ergebnissen ganz abgesehen. Aber selbstverständlich muß und wird sich (vielleicht
auf Grund einer gründlichen Revision des Lehrplanes) schon die nötige Zeit
finden, wenn zur Evidenz nachgewiesen wird, daß ein wesentlicher Faktor in unserem
Unterrichtsbetriebe fehlt zur harmonischen Ausbildung der gegebenen Kräfte und
Anlagen. Für die hier in betracht kommenden Naturholzarbeiten können unseres
Erachtens nur in Frage kommen: 1) Fortbildungsschulen, 2) Erziehungsanstalten
im engeren Sinne und 3) freie Unterrichtskurse unter Beachtung der vorliegenden
örtlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse. Selbstverständlich ist unter allen Um
ständen darauf zu achten: 1) daß das Handarbeitsinteresse nicht in bildungs-
schädlicher Weise überwuchert und 2) daß die Gesundheit nicht darunter leidet.
Wenn das nicht geschieht — und hier in Mülheim (Ruhr) scheinen sich bisher
keinerlei bedenkliche Nebenerscheinungen geltend gemacht zu haben — werden wir
Lehrer begründete Veranlassung haben, die Bestrebungen zur Förderung der Natur
holzarbeilen aus pädagogischen, wirtschaftlichen und sozialen Gründen nachdrücklich
zu fördern.
„Briefe von Prof. Dr. £ilty"
betitelt sich ein neues Buch von dem bekannten Schweizer Juristen, dem wir
schon so viel des Feinen, Kraftvollen und Erhabenen verdanken, der größere
Teil des Bandes enthält Briefe an eine Dame über die Kunst der Er
ziehung, wodurch das Buch unsern Lesern besonders wert sein wird. Wir
können es nicht besser empfeblen als durch Mitteilung einiger Aphorismen und
und eines vollständigen Briefes.
— Es liegt in der Natur der Entwicklung des Menschen, daß:
junge Leute eher wissen, was sie nicht wollen, als was sie wollen. Wenn sie
das Gemeine und Schlechte mit Ernst und Eifer hasten, muß man zufrieden
sein und nicht zu viel positive Entschließungen oder sogar Taten von ihnen
fordern. Das richtige Verhältnis zwischen Ablehnen und Handeln ist Sache einer
späteren Zeit. Für Söhne ist in der Zeit des Heranwachsens Tapferkeit und
Idealität die Hauptsache, bei Mädchen Sauberkeit, Dienstfertigkeit und liebens
würdiger Charakter; für beide Geschlechter die Abwesenheit aller Trivialität, die
taub und blind für alles Höhere, über das gewöhnliche tägliche Leben Hinaus
gehende ist. — — —
— Man muß die Kinder frühzeitig daran gewöhnen, daß sie immer
etwas zu tun haben, ihr Geist stets mit etwas Nützlichem oder Wohltätigem

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.