Religionswissenschaftlicher Ferienkursus in Bonn.
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der Religion, das bei allen Menschen stattfinden muß; das übrige ist sehr indi
viduell, manches sogar zu Zeiten und unter Umständen der einen oder andern
Natur schädlich. Der Weg ist aber stets zu finden, „den Aufrichtigen läßt es
Gott gelingen." Es kann sich keiner seit Tausenden von Jahren mit Recht be
schweren, er habe ihn mit Ernst und Ausdauer gehen wollen und doch nicht
finden können. Daran glauben Sie ruhig niemals.
Alles, was man dabei heute noch etwa gegen das Christentum sagen kann,
das haben schon Celsus und Porphyrius in den ersten Jahrhunderten der christlichen
Kirche gesagt, und vieles davon bezieht sich bloß auf diese Kirche in ihren zeitlichen
Formen, die etwas Menschliches aber doch Notwendiges und Ehrwürdiges sind.
Man kann allerdings zur Not auch heute noch ohne jeden solchen Anschluß, ganz
unkirchlich und doch gläubig leben, wenn man einen natürlich guten Charakter,
viel Geist und günstige Lebensverhältnisse besitzt. Aber es bleibt immer ein etwas
gewagter Versuch, und so viel wenigstens ist gewiß, daß das Christentum in jeder
der jetzt bestehenden kirchlichen Formen auch aus Menschen, die keine ausgezeichneten
Begabungen haben, noch etwas Brauchbares und selbst Gutes machen und ihnen
einen Segen bringen kann, den sie sonst auf keinem andern Wege auch nur an
nähernd erreichen würden.
Erziehen Sie, wenn Sie meinen Rat hören wollen, Ihre Kinder ruhig in
der kirchlichen Gemeinschaft, zu der sie durch ihre Geburt gehören, und als leben
dige Glieder derselben, aber in dem stets zunehmenden Bewußtsein, daß diese
Zugehörigkeit nicht die Hauptsache ist, sondern Gott aufrichtig lieben, stets in
seiner Nähe und Führung sich befinden und in allen Dingen des täglichen Lebens
nach Kräften dem Beispiel unseres Herrn folgen. Sollen sie dann noch eine
besondere Mission bekommen, so wird sie ihnen Gott zur rechten Stunde und
unter den richtigen Verhältnissen zeigen. (Phil. 3, 13 — 15).
Dafür hat die Erziehung nicht zu sorgen.
Eine Heilige der ersten Zeit der christlichen Kirche, die viele Welterfahrung
besaß, sagt einmal: das Leben erscheine jedem Menschen oft zu gering, um sein
Bestes darin zu leisten; man begnüge sich dann mit dem Zweitbesten und denke,
es sei eigentlich nicht der Mühe wert noch mehr zu tun. In solchen Augenblicken
müsse man sich aber stets wieder zu dem Gedanken aufraffen: „Das Äußerste
für das Höchste," und werde dann augenblicklich das Gefühl bekommen, daß auch
das Leben selbst ein nur geringes Angebot für dasselbe sei.
ReUgionswiffenschaftlicher FertenkursuS
in Bonn?)
Der unterzeichnete Ausschuß für die Veranstaltung religionswissenschaftlicher
Ferienkurse für evangelische Volksschullehrer ladet hierdurch die evangelischen Lehrer
und Lehrerinnen zum III. Kurse in den diesjährigen Osterferien nach Bonn
herzlichst ein.
') Auf besonderen Wunsch des Ausschusses hier vollständig abgedruckt.

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