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I. Abteilung. Abhandlungen.
Diese Differenzierung will Sickinger dadurch erreichen, daß er auch die
Qualität der Lernenden in Betracht zieht. Wie bislang nur das Alter der
Schüler für den geistigen Zustand, so soll fürderhin auch der geistige Zustand
der gleichaltrigen Individuen in Rechnung gezogen werden. „Die Förderungs
fähigkeit der Hunderte und Tausende von Schulrekruten, die von den großen
Volksschulkörpern alljährlich wahllos aufgenommen werden müssen, variiert hin
sichtlich der Qualität und Intensität der Beanlagung zwischen 100 Proz. bis
nahe an Null Prozent. Die der Volksschule und ihren Lehrern bisher zu
gemutete Aufgabe, alle diese heterogenen Elemente durch uniforme Eingliederung
und Arbeitsbetätigung rationell zu fördern, ist deshalb ebenso ein Ding der Un
möglichkeit wie eine Traglast so zu bemessen, daß sie den Schultern eines
Mannes und denen eines Kindes gleichermaßen gerecht ist."
Dr. Sickinger schlägt vor, die Kinder auf drei Systeme zu verteilen, je
nachdem ihre Befähigung zwischen 100 und 50, 50 und 20, und 20 bis 0
Prozent der normalen Befähigung schwankt, so daß also Systeme 1. für besser
bis mittel beanlagte, 2. für schwächere, aber immer noch nicht abnorm schwache
und 3. für schwachbegabte Schüler entständen.
Die hier vorgeschlagene Dreiteilung ist in Mannheim ausgeführt und hat
in Dr. Moses auch vom hygienischen Standpunkte aus einen beredten Fürsprecher
gefunden. Bei ihm kann man auch sehen, wie man durch diese Einrichtung der
durch Krankheit oder sonstwie hervorgerufenen Forderung einer zeitweilig wünschens
werten Rücksichtnahme gerecht zu werden sich bemüht. In betreff der genaueren
Ausführung muß ich auf die beiden Broschüren verweisen.
Es ist eine sehr dankenswerte Arbeit, die die Mannheimer Herren der
Volksschule geleistet haben. Die Unterschiede in der Begabung der Kinder und
in dem erziehlichen Einfluffe, der vom Hause und der weiteren Umgebung auf
das Kind ausgeübt wird, sind so groß, daß es pädagogisch unverantwortlich, ja
als ein Greuel erscheinen muß, wenn man in unsern großen einstufigen Schul
systemen es unternimmt, so verschieden begabte und ausgerüstete Kinder in einer
Klaffe zu vereinigen und sie gemeinsam durch die nachfolgenden Klassen hindurch
zuführen, nur weil sie im Alter übereinstimmen. Wer mit ein- und wenig-
klassigen Schulen bekannt ist, der weiß, daß manche Schüler das Ziel der Volks
schule ganz gut mit 12 Jahren, wenn nicht früher, erreichen können, wenn ihnen
nur etwas dabei nachgeholfen wird. Vom ersten Schultage an lauschen sie auf
das, was den älteren Schülern geboten wird, und bald sind sie so eingelebt,
daß der Lehrer es für ein Unrecht erachten müßte, wollte er nicht privatim ihnen
dazu helfen, daß sie mit der höheren Abteilung arbeiten können.
Wie in den uniformen einstufigen Schulsystemen den mehr als mittelmäßig
beanlagten Schülern schweres Unrecht geschieht, so nicht minder den gering be-
anlagten. Kommen die ersteren nicht zum rechten Gebrauch, zu rechter Ent

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