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Rundschau.
veranlaßt, dazu mit folgendem Beschlusse Stellung zu nehmen: „Die Auszeichnung
einzelner verdienter Lehrer schließt mit Naturnotwendigkeit die Minderung des Ansehens
anderer in sich, die der Schule, der Gemeinde und dem Staate mit gleicher Pflichttreue
gedient haben. Diese ungewollte Nebenwirkung tritt, wie die Erfahrung in Leipzig und
anderwärts bewiesen hat, sowohl bei den Schülern und deren Eltern wie auch in der
eigenen Familie und dem Bekanntenkreise des Betreffenden hervor und beeinträchtigt
seine bürgerliche Stellung und seine berufliche Wirksamkeit. Das Streben nach äußerer
Auszeichnung ist aber zugleich geeignet, im Lehrerstande jene ideale Auffassung des
Berufes, die allein in dem Bewußtsein gewissenhafter Pflichterfüllung den Endzweck
alles Wirkens macht, zu beeinträchtigen. Die Leipziger Volksschullehrer halten es darum
für ihre Pflicht, gerade gegenwärtig, wo von den Besten unseres Volkes immer ein
dringlicher über Veräußerlichung deutschen Lebens und Strebens geklagt wird, die
Gelegenheit zu ergreifen, ihre Auffassung über die vorliegende Frage öffentlich zu
bekunden und in besonderen Eingaben die Behörden zu bitten, von der Verleihung des
Oberlehrertitels an Volksschullehrer künftig abzusehen."
Mehr Fühlung mit den Lehrerkreisen! Die Königl. Regierung in Bromberg hat
folgende Verfügung erlassen: „Aus den uns zugegangenen Berichten der Herren Kreis
schulinspektoren haben wir ersehen, daß sich die meisten von ihnen von den Zweig
vereinen des Posener Provinziallehrervereins geflissentlich fernhalten und dessen Be
strebungen fremd gegenüberstehen. Wir können solches Verhalten gegenüber Vereinen,
denen der größte Teil unserer Volksschullehrer angehört, durchaus nicht billigen, müssen
es vielmehr als wünschenswert erachten, daß die Schulaufsichtsbeamten auch außer
dienstlich Fühlung mit den ihnen unterstellten Lehrkreisen unterhalten, damit in letzteren
nicht die Vermutung Raum gewinne, als brächten die vorgeordneten Schulbehörden
ihren fördernswerten und berechtigten Bestrebungen kein Interesse entgegen. Viele
Ausschreitungen in den Lehrervereinen dürften auf diese Annahme zurückzuführen sein.
Wir ersuchen daher die Herren Kreisschulinspektoren, sich den Lehrervereinen tunlichst zu
nähern und zu versuchen, auf ihre Leitung und Entwicklung Einfluß zu gewinnen,
jedenfalls aber etwaige Einladungen zur Teilnahme an den Bereinssitzungen nicht
kurzerhand abzulehnen."
Eine soziale Frauenschule, die erste ihrer Art, soll in einem der Zimmerschen
Reformmädchenpensionate, dem (internationalen) Töchterheim Heimathaus in Berlin-
Zehlendorf, zu Ostern eingerichtet werden. Es ist das wohl überhaupt der erste Ver
such einer zusammenhängenden systematischen Einführung in das Gesamtgebiet der
„Volkspflege", einer erst im Werden begriffenen Wissenschaft, die Bolkserziehung und
Wohlfahrtspflege zusammenfaßt. Selbstverständlich wird in dieser Erziehungs- und
Bildungsanstalt für junge Mädchen die Volkspflege speziell unter dem Gesichtspunkt der
sozialen Frauentätigkeit behandelt. Der Unterricht erstreckt sich auf allgemeine Volks
erziehungslehre, die Organisation der Volkspflege, Volksgesundheitspflege, wirtschaftliche
und staatsbürgerliche Vollserziehung, Vollsbildung, Volkskunstpflege, sittliche und religiöse
Volkserziehung. An Übungen tritt ergänzend hinzu der Besuch von Anstalten der
kommunalen, industriellen, konfessionellen und Humanitären Wohlfahrtspflege, ein Fröbel-
kursus, Beteiligung an der Arbeit in Bewahranstalt und Kindergarten, an hauswirt-
schastlichem Jugendunterricht, an Museumsführungen, volkstümlichen Bilderausstellungen,
Volks-Konzerten, -Theatern und -Vorträgen, an Bolksunterhaltungsabenden und am
Kindergottesdienst. Wegen alles Näheren wende man sich an den Begründer der
Töchterheime, Professor Dr. Zimmer in Berlin-Zehlendorf.
Großbetrieb. In Friedenau bei Berlin soll ein neues Vollsschulgebäude für
4300 Kinder errichtet werden. Für den Bauplatz, der kürzlich noch durch Zukauf ver
größert worden ist, waren schon vor 3 Jahren 111600 M. gezahlt werden. Die neue
Schule wird 72 Klassenräume nebst zwei Schulhöfen von zusammen 6500 gm Flächen
raum und einen großen öffentlichen Turn- und Spielplatz erhalten. Es läßt sich also
erwarten, daß uns die Zeitungen demnächst von diesem die „Anforderungen der Neuzeit
entsprechend Schulpalast" Näheres berichten werden.
Törpfelds Heilslehre. Die „Katechetische Zeitschrift" berichtet: „In der „Studierstube,,
1904, H. 5 tritt Pf. Klaehre warm für eine Verwendung von „Törpfelds ,Hetlsiehre'
als Lehrbuch für den Konfirmandenunterricht" ein. Diese, im Vergleich zu seinem
ersten Enchiridion noch wenig bekannte Schrift des großen Pädagogen ist, da von ihm
selbst nicht vollendet, von seinem Schwiegersöhne Dr. von Rohden zu Ende geführt. Was
über sie gesagt und aus ihr mitgeteilt wird, macht in der Tat Lust, dem Werke näher
zu treten. T)er Aufsatz bietet übrigens weit mehr als etwa eine Buchbesprechung."
Verantwortlicher Schriftleiter G. von Rohden in Tüsieldorf-Terendorf.

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