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I. Abteilung. Abhandlungen.
I.
Wie schon sein Vorname vermuten läßt, stammte Immanuel Kant aus
einem bewußt frommen Hause. Er selbst bestätigt, daß seine Eltern Pietisten
gewesen seien. So gründlich er sich später von dem Pietismus als Welt
anschauung abgewandt hat, so pietätvoll zeichnet er doch das fromme Charakter
bild seirW Eltern und bezeugt dem echten Pietismus seine aufrichtige Hoch
achtung. „Ein die Armut wahrhaft verklärender Schimmer ging vom Wesen
des^dlen Elternpaares aus," erzählt Dr. Apel in seinem schönen Gedenkblatt
Immanuel Kants. „Von meinem Stammbaum, sagt Kant selbst, kann ich auch
weiter nichts rühmen, als daß meine beiden Eltern (aus dem Handwerkerstand)
in Rechtschaffenheit, sittlicher Anständigkeit und Ordnung musterhaft, ohne ein
Vermögen (aber doch auch keine Schulden) zu hinterlassen, mir eine Erziehung
gegeben haben, die von der moralischen Seite gar nicht besser sein konnte und
für welche ich bei jedesmaliger Erinnerung an dieselbe mich mit dem dankbarsten
Gefühl gerührt finde." Wie andere große Männer, so verband auch Kant eine
innige Herzensgemeinschaft mit der Mutter. „Meine Mutter", so äußerte er sich
oftmals gegen Jachmann, „war eine liebreiche, gefühlvolle, fromme und recht
schaffene Frau und eine zärtliche Mutter, welche ihre Kinder durch fromme
Lehren und durch ein tugendhaftes Beispiel zur Gottesfurcht leitete. Sie führte
mich oft außerhalb der Stadt, machte mich auf die Werke Gottes aufmerksam,
ließ sich mit einem frommen Entzücken über seine Allmacht, Weisheit und Güte
aus und drückte in mein Herz eine tiefe Ehrfurcht gegen den Schöpfer aller
Dinge. Ich werde meine Mutter nie vergessen; denn sie pflanzte und nährte
den ersten Keim des Guten in mir, sie öffnete mein Herz den Eindrücken der
Natur; sie weckte und erweiterte meine Begriffe, und ihre Lehren haben einen
immerwährenden, heilsamen Einfluß auf mein Leben gehabt". Wenn der große
Mann von seiner Mutter sprach, dann glänzte sein Auge, und jedes seiner Worte
war der Ausdruck einer herzlichen und kindlichen Verehrung." Waren auch,
sagt er wieder selbst, „die religiösen Vorstellungen der damaligen Zeit und die
Begriffe von dem, was man Tugend und Frömmigkeit nannte, nichts weniger
als deutlich und genügend, so fand man doch wirklich die Sache. Man sage
dem Pietismus nach, was man will, genug, die Leute, denen er ein Ernst
war, zeichneten sich auf eine ehrwürdige Weise aus. Sie besaßen das Höchste,
was der Mensch besitzen kann, jene Ruhe, jene Heiterkeit, jenen inneren Frieden,
der durch keine Leidenschaft beunruhigt wurde. Keine Not, keine Verfolgung
setzte sie in Mißmut, keine Streitigkeit war vermögend, sie zum Zorn und zur
Feindschaft zu reizen. Mit einem Worte, auch der bloße Beobachter wurde
unwillkürlich zur Achtung hingeriffen. Noch entsinne ich mich, wie einst zwischen
dem Riemer- und Sattlergewerke Streitigkeiten über ihre gegenseitigen Gerecht-
ame ausbrachen, unter denen auch mein Vater wesentlich litt: aber dessen-

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