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I. Abteilung. Abhandlungen
zugehen. Es handelt nämlich sehr ernst und eingehend „von der Ein
wohnung des bösen Prinzips neben dem guten" oder „über das
radikale Böse in, der menschlichen Natur". Und zwar ist das in
der menschlichen Natur eingewurzelte Böse nicht bloß als Gebrechlichkeit zu
beurteilen, nach der „Klage eines Apostels: Wollen habe ich wohl, aber das
Vollbringen fehlt, d. h. ich nehme das Gute, das Gesetz in die Maxime meiner
Willkür auf, aber dieses, welches objektiv in der Idee eine unüberwindliche
Triebfeder ist, ist subjektiv, wenn die Maxime befolgt werden soll, die schwächere
(in Vergleich mit der Neigung)." Nein, das Böse im Menschen bekundet sich
zweitens als Unlauterkeit des menschlichen Herzens, die darin besteht, „daß
die Maxime dem Objekt nach (der beabsichtigten Befolgung des Gesetzes) zwar
gut und vielleicht auch zur Ausübung kräftig genug, aber nicht rein moralisch
ist, d. i. nicht wie es sein sollte, das Gesetz allein zur hinreichenden Triebfeder
in sich aufgenommen hat, sondern mehrenteils, (vielleicht jederzeit) noch andre
Triebfedern außer derselben bedarf, um dadurch die Willkür zu dem, was die
Pflicht fordert, zu bestimmen. Mit andern Worten, daß pflichtmäßige Hand
lungen nicht rein aus Pflicht getan werden." Ja, es ist drittens sogar „die
Bösartigkeit oder, wenn man lieber will, die Verderblichkeit des
menschlichen Herzens" festzustellen, nämlich „der Hang der Willkür zu Maximen,
die Triebfeder aus dem moralischen Gesetz andern (nicht moralischen) nachzusetzen.
Sie kann auch die Verkehrtheit des mensaflichen Herzens heißen, weil sie
die sittliche Ordnung in Ansehung der Triebfedern einer freien Willkür umkehrt
und, ob zwar damit noch immer gesetzlich gute (legale) Handlungen bestehen
können, so wird doch die Denkungsart dadurch in ihrer Wurzel (was die
moralische Gesinnung betrifft) verderbt und der Mensch darum als böse
bezeichnet."
„Der Mensch ist böse" heißt also: „Er ist sich des moralischen Gesetzes
bewußt und hat doch die (gelegentliche) Abweichung von demselben in seine
Maxime aufgenommen, er ist von Natur böse, heißt soviel als: dieses gilt
von ihm in seiner Gattung betrachtet; nicht als ob solche Qualität aus seinem
Gattungsbegriffe (dem eines Menschen überhaupt) könne gefolgert werden (denn
alsdann wäre sie notwendig), sondern er kann nach dem, wie man ihn durch
Erfahrung kennt, nicht anders beurteilt werden, oder man kann es als subjektiv
notwendig in jedem auch dem besten Menschen voraussetzen." Dieser Hang
muß weiter als moralisch, nicht physisch böse, nicht als Naturanlage, sondern
als etwas, was dem Menschen zu ge rechn et werden kann, betrachtet werden;
aber es ist zugleich allgemein, also der subjektive oberste Grund aller Maxime
muß mit der Menschheit selbst, es sei wodurch es wolle, verwebt und darin
gleichsam gewurzelt sein: „so werden wir diesen einen natürlichen Hang zum
Bösen und da er doch immer selbstverschuldet sein muß, ihn selbst ein

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