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l. Abteilung. Abhandlungen.
Noch tiefer verfolgt der scharfe Denker die Wurzel des Bösen und stellt
die Frage nach seinem Ursprung, die er schließlich so beantwortet: „Wir
können nicht nach dem Zeitursprunge, sondern müssen bloß nach dem Vernunft
ursprung der bösen Tat fragen, um danach den Hang, d. i. den subjektiven
allgemeinen Grund der Ausnehmung einer Übertretung in unsre Maxime, wenn
ein solcher ist, zu bestimmen und womöglich zu erklären." „Die Schrift macht
diesen Vernunftursprung in einer Geschichte vorstellig, durch die das gedanken-
mäßige Erste als das zeitlich Erste erscheint. Nach ihr fängt das Böse nicht
von einem zum Grunde liegenden Hange zu demselben an, weil sonst der
Anfang desselben nicht aus der Freiheit entspringen würde, sondern von der
Sünde (worunter die Übertretung des moralischen Gesetzes als göttlichen
Gebotes verstanden wird); der Zustand des Menschen aber vor allem Hange
zum Bösen heißt der Stand der Unschuld. Dem moralischen Gesetz ging, wie
es auch beim Menschen als einem nicht reinen, sondern von Neigungen versuchten
Wesen sein muß, das Verbot voraus (1. Mose 2, 16. 17). Anstatt nun
diesem Gesetze als hinreichender Triebfeder (die allein unbedingt gut ist, wobei
auch weiter kein Bedenken stattfindet), geradezu zu folgen, sah sich der Mensch
doch noch nach andern Triebfedern um (3, 6), die nur bedingterweise (nämlich
sofern dem Gesetze dadurch nicht Eintrag geschieht) gut sein können, und machte
es sich, wenn man die Handlung als mit Bewußtsein aus Freiheit entspringend
denkt, zur Maxime, dem Gesetze der Pflicht, nicht aus Pflicht, sondern auch
allenfalls aus Rücksicht auf andere Absichten zu folgen. Mithin fing er damit
an, die Strenge des Gebotes, welches den Einfluß jeder andern Triebfeder
ausschließt, zu bezweifeln, hernach den Gehorsam gegen dasselbe zu einem bloß
(unter dem Prinzip der Selbstliebe) bedingten eines Mittels herabzuvernünfteln,
woraus dann endlich das Übergewicht der sinnlichen Antriebe über die Triebfeder
aus dem Gesetz in die Maxime zu handeln aufgenommen und so gesündigt
ward. Mutato nomine de te fabula narratur (3, 6). (Die Geschichte
betrifft dich, nur unter anderm Namen.) Daß wir es täglich ebenso machen,
mithin in Adam alle gesündigt haben und noch sündigen, ist aus dem Obigen
klar; nur daß bei uns schon ein angeborner Hang zur Übertretung, in dem
ersten Menschen aber kein solcher, sondern Unschuld der Zeit nach vorausgesetzt
wird, mithin die Übertretung bei diesem ein Sündenfall heißt, statt, daß sie bei
uns als aus der schon angeborenen Bösartigkeit unserer Natur erfolgend vor
gestellt wird."
„Der Vernunftursprung aber dieser Verstimmung unsrer Willkür in
Ansehung der Art, subordinierte Triebfedern zu oberst in ihre Maxime aufzu
nehmen, d. i. dieses Hanges zum Bösen, bleibt uns unerforschlich, weil er
selbst uns zugerechnet werden muß." „Diese Unbegreiflichkeit, zusammt der
näheren Bestimmung der Bösartigkeit unserer Gattung, drückt die Schrift in der

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