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I. Abteilung. Abhandlungen.
den Notleidenden Hülfe leisten, ohne sich auch nur in Gedanken kommen zu
lasten, daß so etwas noch einer Belohnung wert sei."
Dies „ist nun eine vollständige Religion, die allen Menschen durch ihre
eigene Vernunft faßlich und überzeugend vorgelegt werden kann." Eine Religion,
dagegen, welche „Glaubenssätze als notwendig vorträgt, die nicht durch die Ver
nunft als solche erkannt werden, gleichwohl aber doch allen Menschen auf alle
künftigen Zeiten unverfälscht mitgeteilt werden sollen, ist, wenn man nicht ein
kontinuierliches Wunder der Offenbarung annehmen will, als ein der Obhut
der Gelehrten anvertrautes heiliges Gut anzusehen." Machen nun diese
gelehrten Hüter der Wahrheit den Glauben an Sätze, von welchen der Un-
gelehrte sich weder durch Vernunft noch durch Schrift, (sofern diese allererst
beurkundet werden müßte) vergewissern kann, zur absoluten Pflicht (üäs8 impsrata)
und erheben ihn so samt anderen damit verbundenen Observanzen zum Rang
»eines auch ohne moralische Bestimmungsgründe der Handlungen als Frondienst
seligmachenden Glauben, so wird aus dem wahren Dienst der Kirche ein
Afterdienst; die Diener werden zu gebietenden hohen Beamten, sie
verwandeln den Dienst der Kirche in eine Beherrschung ihrer Glieder.
Aber es ist ein gefährlicher Religionswahn, wenn man den Glauben an die
Offenbarung und die heilige Geschichte und das Bekenntnis zu ihr als eine
verdienstlichen Tat hinstellt; das wäre ja ein Tun, das durch Furcht abgezwungen
wird. Wenn auch eine solche herrschende Kirche schließlich selbst den Staat sich
unterwirft durch ihren Einfluß auf die Gemüter, sowie „durch Vorspiegelung
des Nutzens, den dieser vorgeblich aus einem unbedingten Gehorsam soll ziehen
können, zu dem eine geistige Disziplin selbst das Denken des Volkes gewöhnt
hat," so untergräbt eben sie als „Gewöhnung an Heuchelei die Redlichkeit und
Treue der Untertanen," „witzigt sie zum Scheindienst auch in bürgerlichen
Pflichten ab und bringt so, wie alle fehlerhaft genommenen Prinzipien, gerade
das Gegenteil von dem hervor, was beabsichtigt war."
„O Aufrichtigkeit, du Asträa, die du von der Erde zum Himmel
entflohen bist, wie zieht man dich (die Grundlage des Gewisiens, mithin aller
inneren Religion) von da zu uns wieder herab?" — in dieser wehmütigen
Klage klingt die Darstellung „der Religion innerhalb der Grenzen der bloßen
Vernunft" aus.
III.
Nur eine dürftige Skizze von dem reichen Inhalt dieses persönlichsten der
Kantschen Werke konnten wir geben, eine Skizze, die zudem an einer ganzen
Reihe wichtiger Gedanken, wie sie namentlich in den großen Anmerkungen
zu den vier Kapiteln noch weiter geführt werden, vorübergehen mußte. Und
schließlich muß auch noch das gesagt werden, daß dieses Buch nicht einmal das

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