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II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
von der Arbeit in der Schulklaffe, in allen amtlichen wie nicht amtlichen, sozialen
und wirtschaftlichen Beziehungen ein kaum erfreulicher und wenig begehrenswerter
geworden ist. Auch die seit einigen Jahren eröffnete Aussicht, in der militärischen
Laufbahn es bis zum Range eines „brauchbaren Unteroffiziers" bringen zu
können, ist nicht allzu verlockend.
Alles in allem: Die Entwicklung zur Staats-Omnipotenz im Schulwesen
war keine glückliche und ist der Schule und der Volksbildung nicht dienlich ge
wesen. Auf dieser Bahn mußte eine Nivellier- und Schematisiersucht notwendig
sich einstellen, welche die Lebensadern des Erziehungswerkes wenn auch nicht gerade
unterband, so doch empfindlich antastete.
Von anderen Unerfreulichkeiten, wie sie auch der innere Schulbetrieb, zumal
in den seelenlosen großen Schulkasernen mit sich bringt, soll hier nicht die Rede
sein. Das ist ein ganzes Kapitel für sich.
Soviel ist gewiß: Zur Freude an dem Lehrerberufe gehört sich heutzutage
ein unverwüstlicher Idealismus, der manchen Stoß vertragen kann, ohne zu
erlahmen. Jst's ein Wunder, daß solche Idealisten mit der Zeit rar werden?
Und weil die Herzwurzel des Übelstandes im Schulwesen so tief sitzt, deshalb
erscheint es mehr als fraglich, ob sich der Lehrermangel so schnell wird beseitigen
lasten, wie unsere korrekten Verwaltungsmänner es wünschen.
Pf. Forsthoff-Ruhrort.
Die Vorschulfrage in Gelsenkirchen.
Am Samstag, den 17. Dezember 1904 fand in Gelsenkirchen eine Ver
sammlung der dort bestehenden Lehrervereine statt, um zu der Vorschulfrage
Stellung zu nehmen. Die Versammlung wurde durch Herrn Hauptlehrer
Diederich eröffnet. Er führte aus: Was bis vor wenigen Wochen noch ein
unkontrollierbares Gerücht war, hat durch die Petition vom 28. November eine
greifbare Gestalt angenommen. Man beabsichtigt, in Gelsenkirchen eine Vorschule
zu errichten. Nicht nur die Lehrer, sondern auch weitere Kreise der Bürgerschaft
haben in den letzten Tagen zu dieser Frage Stellung genommen. Auch die
Vorstände der Lehrervereine haben sich mit dieser Angelegenheit beschäftigt.
Wenngleich wir wußten und wiffen, daß wir in dieser Angelegenheit die Zu
stimmung sämtlicher Mitglieder unserer Vereine hinter uns haben, so haben wir
es doch für wünschenswert gehalten, Sie zu der heutigen Versammlung einzuladen,
um der gesamten Lehrerschaft Gelegenheit zu geben, sich zu dieser Frage zu
äußern, damit die gesamte Bürgerschaft die Stellung der Lehrer erfährt. Zugleich
wollen wir die Schritte beraten, die geeignet sind, die Einrichtung der Vorschule
zu verhindern.
Das Referat hatte Herr Lehrer Honke übernommen, dessen Ausführungen
wir in gekürzter Wiedergabe hier folgen lassen:
Die Anerkennung der Volksschule in ihrer Bedeutung für das nationale
Leben ist unlösbar verknüpft mit zwei weltgeschichtlichen Ereignissen unseres Zeit
alters, denen wir unser staatliches Dasein verdanken. Sowohl bei der Wieder
herstellung des preußischen Staates im Jahre 1813 als auch bei der Neu
gestaltung des Deutschen Reiches im Jahre 1871 wurde von hervorragenden

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