Die Vorschulfrage in Gelsenkirchen.
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Staatsmännern die deutsche Volksschule als eine Einrichtung betrachtet, die mit
größter Sorgfalt und unter Aufwendung ausreichender Mittel gepflegt werden
müsse im Interesse einer gesunden Entwickelung unseres wirtschaftlichen Lebens.
Was Staat und Gemeinde an der Volksschule versäumen, das müssen sie an
Armenlasten, Strafanstalten und Sonderprämien wohl doppelt und mehr zulegen.
Es war bei den maßgebenden Persönlichkeiten nämlich nicht immer das gleiche
Streben vorhanden, die Volksschule zu fördern; man hat sie gar oft betrachtet
und behandelt als ein notwendiges Übel, mit dem man rechnen muß bei der
Kompliziertheit unserer Lebensverhältnisse, für welches man aber für keinen Pfennig
mehr aufwendet, als unbedingt erforderlich ist. In solchen Tagen hoffen wir
Lehrer auf bessere Zeiten, denn wir sind davon überzeugt, daß eine so gute und
nützliche Einrichtung wie die Volksschule, der 95°/o aller Bürger ihre Bildung
verdanken, in der Zukunft trotz aller Hemmnisse die unbeschränkte Anerkennung
und Fürsorge finden wird, die sie verdient. Aus dieser Überzeugung heraus
erwächst uns auch die Pflicht, nach Möglichkeit alles zu verhindern, was dem
Ansehen und Wirken der Volksschule schadet. Es bleibt die Pflicht übrig, alle
Hemmnisse, die einer richtigen Entwicklung der deutschen Volksschule entgegen
stehen, nach Möglichkeit zu beseitigen. Zu diesen Hindernissen gehört auch die
Einrichtung von Vorschulen.
Der Unterricht in den höheren Schulen fordert körperlich und geistig hoch
entwickelte Schüler. Nicht jedes Kind ist für diesen Unterricht geeignet. Auf
anderer Seite sagen wir, daß die Volksschule die beste Vorbildung für solche
Schüler bietet, die geeignet sind, den Unterricht der höheren Schulen mit Erfolg
zu benutzen. Es kommen hier die drei unteren Jahrgänge in Betracht. Ver
gleichen wir den Lehrplan der unteren 3 Jahrgänge, so sehen wir, daß der
Unterricht in den Vorschulen keine Rücksicht nimmt auf die Natur des Kindes.
Gleich im ersten Jahrgang wird eine solche Stoffmenge behandelt, wie sie von
wenigen Kindern mit wirklichem Erfolg geleistet werden kann. Wenn wir ins
besondere den Deutsch-Unterricht betrachten, so sehen wir, daß hier nicht nur der
Stoff verlangt wird, wie in der Volksschule derjenige der 1. Fibel, sondern noch
im ersten Jahre wird auch der Stoff der 2. Fibel erledigt. Einem solchen
Unterricht können nur die begabtesten Kinder folgen. Es ist als eine hergebrachte
Sitte anzusehen, daß diese Kinder noch durch Nachhülfestunden unterrichtet werden.
Es bereitet den Eltern manche Sorgen und Geldausgaben, damit ihre Kinder
mit den Besten gleichen Schritt halten können. Im Rechnen steht es noch
schlimmer. Wir alle wissen, welche Mühe es macht, den Kindern im ersten
Jahre die 4 Spezies beizubringen. Der Unterricht in der Vorschule greift weiter
und nimmt außer den vier Grundrechnungsarten noch die Zahlenreihe von 1 bis
100 in sich aus. Wir wissen alle, daß es leicht ist, den Kindern das Einmaleins
beizubringen. Aber es ist schwer, und es fordert eine große nicht abzuschätzende
Mühe, den Kindern diesen Stoff so beizubringen, daß sie ihn auch für die fol
genden Jahre behalten. Es kommt vor, daß die Kinder im zweiten Schuljahre
das Einmaleins können, aber im 3. und 4. Jahrgange sind sie unsicher geworden.
Anders ist es in den Vorschulen auch nicht. Im 3. Jahre arbeitet die Vorschule
schon weiter mit vielstelligen Zahlen, während das Kopfrechnen vernachlässigt
wird. Einen praktischen Zweck für die folgenden Jahre der höheren Schulen,
Sexta, Quinta, Quarta, hat diese Übung nicht, denn dort kommt eine solche
Behandlung vielstelliger Zahlen gar nicht mehr in dem Maße vor. Es wird eben

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