Zum neuen Jahre.
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nahegelegt, daß es sich bei einigem Pflichtgefühl wohl an den meisten Orten
sindet, wenn auch nicht immer in der zu wünschenden Ausbildung. Bei den
großen Schulsystemen ist aber die Ausgestaltung eines gesunden Verhältnisses
unter den Gesamterziehern unmöglich.
Wie die Kenner von Dörpfelds Schriften — man denke nur an das Gut
achten über die vier- und achtklassige Schule, die freie Schulgemeinde usw. —
wissen, hat Dörpfeld die von Dr. Sickinger ins Licht gestellten traurigen Er
gebnisse der gleicherweise für die verschiedenst befähigten Kinder bestimmten ein
stufigen achtklassigen Volksschule richtig vorhergesehen. Nicht aus falschem Kon
servatismus ist er für die wenigklassige Schule eingetreten, deutlich hat er die
den nach der Klassenzahl verschiedenen Schulen anhaftenden Vorzüge und Mängel
erkannt, sorgfältig hat er ihre Bedeutung abgewogen und darnach das Resultat
seiner Erwägungen gezogen. Er hat niemals die mehr als vierklassige Schule
für pädagogisch empfehlenswert erklärt.
Was bedeutet das für uns?
Es wäre sehr wenig der Schulblatttradition entsprechend, wollten wir sagen:
Es bedeutet, daß die mehr als vierklassige Schule für uns keine Daseins
berechtigung hat, daß sie vom Übel ist, weil Dörpfeld es gesagt hat. Dörpfeld
würde die Freunde wenig schätzen, die einen Satz verteidigen, bloß weil es sein
Satz ist. Wir wissen aber, daß das, was er sagte, einen guten Grund hatte,
dem gilt es nachzuforschen und ihn eventuell in Ehren zu halten. Es ist nicht
nur unsere schnellebige Zeit, die leichtherzig abzubrechen verführt, um vermeintlich
Besteres an die leer gewordene Stelle setzen zu können, die die Schulentwicklung
gefährdet, es steht die Volksschule auch nach ihrer Entwicklungsgeschichte unter
dem Einfluß von Faktoren, die in erster Linie nichtpädagogische Interessen bei
ihrem Tun haben, wie z. B. die Kommunen und politischen Parteien. Da gilt
es für alle, die unser Volk lieb haben und die die Bedeutung erkennen, die die
richtig gestellte Volksschule für das Volkswohl haben kann, — man denke an
Klingenburgs Schule — doppelt sorgsam zu prüfen, was der Schule zu wahrem
Heil gereicht, und mannhaft ihre bescheidene Stimme zu erheben für das, was
recht und heilsam ist.
Wir haben die großen ungegliederten einstufigen Volksschulsysteme und be
kommen ihrer immer mehr; die Einheitlichkeit in der Arbeit unter den Jugend
erziehern schwindet immer mehr dahin; namentlich die bedeutsamsten Erziehungs
faktoren Familie und Gemeinde vergesten immer mehr ihre Pflicht, und auch
unsere Wohlfahrtseinrichtungen (Krippen, Bewahranstalten, Kleinkinder- und Volks
schulen, Jünglingsvereine usw.) verleiten, wenn auch ungewollt und durch falsche
Benutzung, zu dieser Pflichtvergessenheil; die Behandlung straffälliger Vergehen
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