176
II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens re.
betreffs der Volksbildung unmöglich durch Verordnungen auf dem Verwaltungswege
einen befriedigenden Ausgleich finden können: es betrachtet vielmehr die Regelung der
gemeinsamen Arbeit von Schule und Kirche an dem Werke der Jugenderziehung als
eine unser Volk an seinem tiefsten Lebensnerv berührende Zeitfrage, die nach dem Kern
ihres Wesens nur durch ungehinderte Aussprache und durch einen freien Kampf mit
rein geistigen Waffen geklärt und einer glücklichen Lösung entgegengeführt werden kann.
Auch bekennt sich das Presbyterium im Hinblick auf den synodalen Verfassungscharakter
der rheinischen Kirche zu der Auffassung, daß für eine gesegnete Arbeit der Synoden,
welche einzig in den gewissenhaft erwogenen Interessen des kirchlichen Lebens ihr Gesetz
und ihre Grenze findet, eine möglichst weitgehende Unabhängigkeit von dem Geltungs
bereich bureaukratischer Verwaltungsmaßregeln dringend gefordert werden muß. Dem
gemäß möchte das Presbyterium gegenüber dem gedachten Vorgehen des Ministers
4>r. Studt grundsätzlich und nachdrücklich das Recht des rheinischen Konsistoriums ge
wahrt wissen, die Verhandlungsstoffe der rheinischen Synoden, soweit nicht Initiativ
anträge aus dem Schoße der Gemeinden in Frage kommen, nach durchaus selbstän
digem Ermessen in Rücksicht auf die Bedürfnisse des evangelisch-kirchlichen Lebens unserer
Provinz zn bestimmen. Seinen besonderen Dank spricht das Presbyterium dem Königl.
Konsistorium der Rheinprovinz dafür aus, daß dasselbe mit seiner zeitgemäßen Um
frage, die Ortsschulaufsicht betreffend, ein hervorragendes Verständnis für diese zur
Zeit im Vordergrund des öffentlichen Interesses stehende, Kirche und Schule gleicher
maßen berührende Frage unseres Volkslebens bewiesen und sich durch seine dankens
werte Anregung an die Kreissynoden und die hierdurch bewirkte Klärung der An
schauungen in den beteiligten Kreisen des Rheinlandes ein bemerkenswertes Verdienst
um die Förderung des schwierigen Problems erworben hat."
Für den Mobilmachungsfall sind hinsichtlich der dienstpflichtigen Volks- und
Mittelschullehrer vom Kultusminister neue Gesichtspunkte bekannt gegeben. Darnach
sind jeder Schule soviele Lehrer zu belassen, daß der Schulbetrieb, wenn auch not
dürftig, im Gange bleibt. Da zur Not Halbtagsunterricht ausreichen muß, so dürfen
jedem Lehrer etwa 150 Kinder überlassen werden, wobei es zulässig ist, die kleinsten
Kinder, jedenfalls den letzten Jahrgang zu Hause zu lassen. So kommen im un
günstigsten Falle gegen 80 Kinder aus den Vormittagsunterricht und 60 auf den
Nachmittagsunterricht. Die Gesamtzahl der von einem Lehrer zu unterrichtenden Kinder
darf auf 120 ermäßigt werden, falls es Raumschwierigkeiten nötig machen. Erforderlichen
falls wird für die Dauer der Mobilmachung eine neue Klasseneinteilung vorgenommen.
Der Schulleiter darf nur dann einer Schule entzogen werden, wenn sich die Übertragung
auf einen anderen Lehrer empfiehlt. Wo an gemischten Schulen neben Lehrerinnen
ein Lehrer vorhanden ist, gilt dieser der größeren Kinder wegen als unabkömmlich.
Sind außer dienstpflichtigen Lehrern auch solche vorhanden, die dem unausgebildeten
Landsturm angehören, so sind diese in erster Linie als unabkömmlich zu bezeichnen.
Schluß des Schuljahres. Nach Verfügung der Königl. Regierung in Düsseldorf
ist der Schluß des Schuljahres für die Volksschulen auf den 31. März und der Beginn
des neuen Schuljahres auf den 1. April festgesetzt worden. Die nur auf die dring
lichsten Fälle zu beschränkende Herbstentlassung geschieht am 30. September. Es wäre
zu wünschen, daß die Umzugs- bzw. Miettermine allenthalben mit diesen Schulterminen
in Übereinstimmung gebracht würden.
Alkoholismus und Verbrechen. Daß Zunahme des Alkoholverbrauchs und Zu
nahme bestimmter Vergehen und Verbrechen Hand in Hand gehen, und umgekehrt, ist
längst bekannte Tatsache. Einen neuesten Beweis hierfür liefert der oberschlesische
Jndustriebezirk. Während dort bisher, dem steten Wachstum der Bevölkerung ent
sprechend, die Richterstellen an den Amts- und Landgerichten fortwährend vermehrt
wurden, die Zahl der Richterkräfte beim Amtsgerichte Zabrze von 5 im Jahre 1879
auf 14 im Jahre 1903 stieg, sind am 1. Juni d. I. in Zabrze 1, und beim Landgericht
in Gleiwitz 2 Hilfsrichterstellen eingezogen worden. Der Grund hierfür ist der auffällige
Rückgang in Strafsachen seit etwa 1. Januar 1903, dieser wiederum ist eine Folge
des seit jenem Zeitpunkt fast durchweg angeordneten 4 Uhr-Kneipenschlusses an Lohn-
und Vorschußtagen. Infolge davon ist die Zahl der meist in Trunkenheit verübten
Körperverletzungen bedeutend zurückgegangen. (L.-Ztg. f. O.- u. W.-Pr.)
************************

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.