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I. Abteilung. ^Abhandlungen.
von Schülern in unsern Großstädten erweist es jedem, daß man auch in maß
gebenden Kreisen nicht mehr an die Familie und Gemeinde als Erzieher denkt,
sondern nur zwei Erzieher kennt, Lehrer und Polizei; die Berichte der Lehrer an den
Fortbildungsschulen über die Ergebnisse ihrer Aufnahmeprüfungen bieten ein sehr
trauriges Bild, noch unerfreulicher ist das, was man sieht, wenn man nach
Herbarts Rat den Wert der Erziehung nach der Haltung der Entlassenen und
Gereiften zu bestimmen sucht.
Es ließe sich dies dunkle Bild leicht noch weiter ausmalen, und es ist ge
wiß nützlich, zu sehen, was ist. Es kann dem rechten Lehrer, dem wirklichen
Freund der Schule den Mut und die Liebe zu ihrem schönen Berufe nicht
rauben, wohl aber kann es sie bestärken, mit verdoppelter Freudigkeit einzutreten
für alles, was das Wohl des Volkes zu mehren verspricht, und auch unter den
ungünstigsten Verhältnissen treulich ihre Pflicht zu tun.
Das Schulblatt tut ein gutes Werk, wenn es die Kollegen in der Er
füllung der ihnen durch die Entwicklung unserer Schulverhältnisse gewordenen
berustichen Aufgabe nach besten Kräften fördert, indem es ein Organ bleibt, in
dem sich jeder aussprechen kann, der etwas zur Förderung unserer Arbeit, zur
Belebung der Berufsfreudigkeit oder sonst Dienliches zu sagen hat, und das gern
Fragen weiter gibt, die dem Lehrer aus dem Ernst der beruflichen Arbeit und
der zweckmäßigsten Erfüllung derselben erwachsen sind.
Liegt so seine Arbeit ganz in dem Dienst der Gegenwart, in dem Dienst
der so und nicht anders gewordenen Schule, so kann es doch diesen Dienst nur
recht tun, wenn es nicht mit der Zeitmeinung paktiert, wenn es das Ideal un
verrückt im Auge behält und aus dem Gegebenen ihm nach besten Kräften
zustrebt.
Wie das Ev. Schulblatt durch sein Gewordensein der evangelischen Volks
schule zu dienen bestimmt ist, so ist ihm durch seine Geschichte nicht minder die
Aufgabe erwachsen, ein Erinnerer zu sein an die Tatsache, daß es viele Jugend
erzieher gibt, und daß die Erziehung nur gedeihen kann, wenn alle zum Dienst
an ihr Berufenen in rechter Weise ihre Pflicht tun.
Schon diese ihm geschichtlich erwachsene Mission gibt ihm Recht und Pflicht
der Weiterexistenz. Daß ihm auch noch manche andere Pflichten erwachsen sind,
so z. B. die Bearbeitung psychologischer und allgemein pädagogischer Fragen, der
Frage nach der einheitlichen Gestaltung des Unterrichts, des Realunterrichts usw.,
brauche ich älteren Lesern nicht zu sagen.
Möge es der Schriftleitung, den Mitarbeitern und Lesern gegeben werden,
diese Mission in rechter Weise erfüllen zu helfen, das Ideal hochzuhalten und
mit ganzer Kraft der Gegenwart zu dienen!
r *r r!

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