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III. Abteilung. Literarischer Wegweiser.
Pflugk, G-: Tie Übertreibung im sprachlichen Ausdruck. (Pädag. Magazin, Heft 175.)
Ebenda. Pr. 30 Pf.
Der Verfasser geht ein auf die Hyperbel in der Sprache der Gebildeten und in der
Volkssprache. In der Volkssprache — das ungefähr will er dartun — hat sie immer
ihr gutes Recht, denn sie ist der packende, sinnenfällige, oft schalkhafte Ausdruck für
etwas wirklich Gedachtes oder Empfundenes: in der Sprache der Gebildeten stellt sie
sich leider in vielen Fällen als ein arger Mißbrauch der Sprache dar. indem kon
ventionelle Redensarten in ganz geistloser Weise bei passenden oder unpassenden Ge
legenheiten im Munde geführt werden.
Lobsien, M.: Die Gleichschreibung als Grundlage des deutschen Rechtschreibunterrichts.
(Päd. Mag., Heft 219.) Ebenda. 1904. Pr. 50 Pf.
Lobsien erwartet von einer größeren Berücksichtigung der Gleichschreibung im Unter
richt bedeutende Fortschritte für die Rechtschreibung. Er fordert systematische Einübung
der Gleichschreibung nach der Erkenntnisschwierigkeit der Lautzeichen und zeigt an Bei
spielen, wie er sich die Sache denkt. — Einzelne Winke sind sehr beachtenswert: das
Ganze wird sich schwerlich in der Praxis durchsetzen.
Schmieder, A-: Anregungen zur psychologischen Betrachtung der Sprache. Ebenda.
1902. 37 S. Pr. 50 Pf.
Die Schrift faßt die Sprache auf als das notwendige Ergebnis unseres Seelen
lebens. — Lesenswert.
Tesch, P.: Deutsche Sprachgeschichte und Sprachlehre. Für Präparanden. Seminaristen
und Lehrer. II. Teil: Lautlehre. Mundarten, Sprachgeschichte und Bedeutungs
wandel. 2. Aufl. Halle, H. Schrödel. 144 S. 1,35 M.
Der Verfasser spricht in den beiden ersten Abschnitten über Lautbildung und Laut
wandel, im dritten verbreitet er sich über die deutschen Mundarten. Daran schließt sich
ein Überblick über die Sprachgeschichte, wobei die germanische Ursprache. Alt-, Mittel-,
Neuhochdeutsch und Niederdeutsch berücksichtigt werden. Die letzten Abschnitte sind der
Veränderung des Sprachinhalts gewidmet. — Das Buch macht den Eindruck einer
fleißigen, gediegenen Arbeit. — Die Verdeutschung von Fremdwörtern ist nicht immer
schön.
Rosenburg, H.: Deutsche Sprachlehre für Präparandenanstalten. I. Teil: Sprachlehre.
II. Teil: Rechtschreibungslehre. 5. Aufl. Breslau 1903, F. Hirt. 186 S. Pr.
1,80 M.
Außerordentlich einfach, klar und übersichtlich dargestellt. Sehr zu empfehlen.
Hoffmann, K.: Teutsche Sprachlehre. Ein methodischer Leitfaden für Mittelschulen und
höhere Lehranstalten. 3. Aufl. Gießen, E. Roth. 139 S. Geb. 1,30 M.
Ebenfalls einfach und übersichtlich. Wohl zu gebrauchen.
Günther, R.: Deutsche Lautlehre und Sprachgeschichte für Lehrerseminare. 4. Auflage.
Leipzig 1904, Dürrsche Buchhandlung, in S. Pr. 1,60 M.
Der Stoff dürfte im allgemeinen richtig ausgewählt sein, nur hätte das Mittel
und Neuhochdeutsche, besonders aber das Mitteldeutsche eingehender betrachtet werden
können. Die Sprache, worin unsere ersten klassischen Literaturerzeugniffe geschrieben
sind, ist, wenn man sich überhaupt mit ihr befaßt, einer etwas tiefer gehenden Be
trachtung wert. Die Darbietung des Stoffes ist klar und einfach, hier und da vielleicht
etwas zu einfach. Die Verdeutschung allgemein gebräuchlicher wissenschaftlicher Aus
drücke ist nicht immer einwandfrei.
Aufsatz und Stilistik.
Caffel, H.: Teutsche Aufsätze für Volks- und Bürgerschulen. Hannover und Berlin
1903. C. Meyer. I. Teil. 98 S. Pr. 1 M. II. Teil. - 146 S. Pr. 1.50 M.
Die Auffatzstoffe sind aus allen Unterrichtsgebieten in recht 'paffender Weise aus
gewählt und stufenmäßig geordnet. Die sprachliche Form ist einfach und klar. Ver
wunderlich ist es nur, daß der Verfaffer im Vorwort einige Wendungen gebraucht, die
nicht gerade als vorbildlich bezeichnet werden können (Inversion nach .und" u. dgl.).
Das Buch ist recht brauchbar.
Quade, P. und Donat, G-: Der Aufsatz als Ergebnis des Unterrichts in der Lite-
ratur und den Realien. 240 Aufsätze für die Oberstufe der Volks- und Mittel
schule. 2. Aufl. Langensalza 1902, Beyer u. Söhn. 230 S. Pr. 2,60 M.
Auswahl und sprachliche Darstellung sind durchweg gut. Bei den Aufsätzen, die
nach Gedichten angefertigt sind, ist es meist vermieden worden, den poetischen Gehalt

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