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I. Abteilung. Abhandlungen.
Dieser glücklichere Griff zeigt sich schon im „Fiesko". Leider war der
jugendliche Dichter dem schwierigen Stoffe nicht gewachsen. Und da auch noch
die Charaktere weniger Leben zeigten und der Kraftstil der „Räuber" ins
Bombastische überging, so entsprach der Erfolg in keiner Hinsicht den Schillerschen
Erwartungen. Bemerkenswert ist in dieser Hinsicht die Aufnahme des Stückes
bei den Mannheimer Künstlern, denen es der Verfasser vorlas. Der Schauspieler
Meyer nahm heimlich Schillers Freund Streicher beiseite und fragte ihn: „Sagen
Sie mir aufrichtig, wissen Sie gewiß, daß es Schiller ist, der die Räuber
geschrieben?"
„Zuverlässig, wie können Sie daran zweifeln!"
„Wiffen Sie gewiß, daß nicht ein anderer dieses Stück geschrieben?" . . .
„Oder hat ihm jemand daran geholfen?"
„Ich kenne Schillern schon im zweiten Jahre und will mit meinem Leben dafür
bürgen, daß er die „Räuber" ganz allein geschrieben und ebenso auch für das
Theater abgeändert hat. Aber warum fragen Sie mich dies alles?"
„Weil der Fiesko das Allerschlechteste ist, was ich je in meinem Leben gehört,
weil es ganz unmöglich ist, daß derselbe Schiller, der die „Räuber" geschrieben,
etwas so Gemeines, Elendes sollte geschrieben haben."
Die Stoffgestaltung kann in der Tat in keiner Hinsicht mit derjenigen der
„Räuber" verglichen werden.
Dasselbe gilt von „Kabale und Liebe". Daß das Stück trotzdem einen
ungleich bessern Erfolg hatte und jahrzehntelang behauptete, liegt in erster Linie an
dem sehr geschickt ausgewählten Stoff. Man sah wieder die verhaßten Schurken
aus der höhern Gesellschaft, die den Bürgerstand knebelten, aber man übersah,
daß sie ins Verzerrte übergingen, ja hier und da psychologisch völlig unmöglich
waren.
Die Jugendgedichte, die zum größten Teil in der Anthologie auf das Jahr
1782 erschienen, aber lange nicht alle in die gesammelten Werke übergingen,
sind begreiflicherweise in derselben Tonart niedergeschrieben, wie die Jugenddramen.
Er besingt Kampf und Tod, Hölle und Hinrichtung, er singt, alle Register ziehend,
in den schneidendsten Tönen, und nur selten vermag er das wilde Feuer zu
dämpfen. Sein Herz geht raschen Gang. Einige dieser Gedichte sind lange
Jahre Lieblingsgedichte des Volkes gewesen, was nicht zuletzt auf das Wirkungsvolle
der grellen Farben und starken Kontraste zurückzuführen ist.
Die nähere Bekanntschaft und innige Freundschaft Schillers mit Körner
bedeutet einen gewaltigen Umschwung in dem Geistesleben des Dichters. Der
Pessimismus der Jünglingsjahre schwindet, das Weltbild gewinnt frischere Farben,
auf die sturmbewegten Tage folgt friedlicher Sonnenschein. Das Leben erscheint
ihm lebenswert, mehr: des Daseins Ewigkeilsgehalt enthüllt sich seiner wonnetrunkenen
Seele — er singt den Hymnus von der Liebe.

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