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I. Abteilung. Abhandlungen.
lange es sich immer wieder sammelt, um aus seinen Werken etwas zu gewinnen,
was den Stempel des Unvergänglichen trägt: so lange lebt auch in ihm etwas
von seinem Geiste. Und der weist vorwärts — aufwärts. —
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Schillers ethischer Idealismus?)
Von Dr. G. von Rohden.
1. Schiller erlebte den Zusammenbruch des Staates Friedrichs des Großen
nicht mehr. Ob er vielleicht Jena begrüßt hätte als das blutrote Flammen
zeichen für eine neue Epoche, eine Epoche der Verinnerlichung, der geistigen
Sammlung und Erhebung, der Herrschaft eines Geistesadels, der wahren nationalen
Befreiung von innen heraus? Wenn er im 4. seiner Briefe über die ästhetische
Erziehung des Menschen von der großen Aufgabe unseres Daseins spricht, die in
der Herausarbeitung des „reinen idealischen Menschen" in uns besteht, und sich
dabei auf seinen Freund Fichte bezieht, so dürfen wir wohl annehmen, daß er
Seite an Seite mit Fichte gestanden und in jener erhebenden Zeit der Demütigung
mit ihm die deutsche Nation in gewaltiger Rede aufgerufen hätte zur Freiheit.
Aber dies schönste Lebenswerk war von Schiller schon im voraus getan.
Von den Räubern bis zum Dell ist seine Botschaft ein zusammenhängendes
Freiheitsmanifest gewesen. Das Ringen um die individuelle Freiheit, die Freiheit
von feudalem Druck, von sozialen Vorurteilen, um republikanische Freiheit, um
den Gedanken der Gewisiensfreiheit, um nationale Freiheit stellt er dar; das
waren die Ideale, denen seine Dramen galten. Der Dichter, dessen Jungfrau
von Orleans, dessen Dell in den Jahren der Schmach das heilige Feuer nährte,
hat ganz wesentlich die große Erhebung der Freiheitskriege vorbereiten helfen.
„Der Mensch ist frei geschaffen, ist frei und würd' er in Ketten geboren,"
das war der erste Artikel seines Glaubensbekenntnisses. Aber er sagt auch
deutlich, wie der Mensch diese unveräußerliche Bestimmung zur Freiheit in sich
verwirklicht: eine wahre Freiheit gibt es nicht anders als im sittlichen Wesen.
Bildung des Willens, Erziehung zur sittlichen Freiheit — einen anderen Weg
zur Realisierung des Freiheitsideals kennt er nicht. Schillers Idealismus ist ein
sittlich bestimmter.
9 Zugleich Anzeige der Ausgabe von „Schillers philosophischen Schriften und
Gedichten" in der Dürrschen Philosophischen Bibliothek (Bd. 108) herausgegeben
mit ausführlicher Einleitung von Eugen Kühnemann (Pr. 2 M.) Dieser Band ist
durch den vorzüglichen Kommentar des Herausgebers ganz besonders empfehlenswert.
Vgl. auch Karl Sell, Die Religion unsrer Klassiker in Weinels Lebensfragen.
Tübingen u. Leipzig, I. C. B. Mohr, 274 S. 2,80 M.

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