Schillers ethischer Idealismus.
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Froh des neuen ungewohnten Schwedens
Fließt er aufwärts, und des Erdenlebens
Schweres Traumbild sinkt und sinkt und sinkt.
Das also ist Schillers ethischer Idealismus, wie Sell definiert:
„die Selbstgewißheit des sittlich strebenden Geistes von seiner höheren Abkunft
und seinem höheren Ziel."
4. Nicht dem Einzelnen ist es vergönnt, dies hehre Ideal in sich zu ver
wirklichen durch angestrengte sittliche Selbstzucht. Generationen haben an dieser
Menschheitsaufgabe zu arbeiten, dafür ihr Bestes einzusetzen. Der Charakter
der Zeit muß sich also von seiner tiefen Entwürdigung erst aufrichten, dort der
blinden Gewalt der Natur sich entziehen, und hier zu ihrer Einfalt, Wahrheit
und Fülle zurückkehren; eine Aufgabe für mehr als ein Jahrhundert.
Sache der Erziehung ist es, von Geschlecht zu Geschlecht die Menschheit
Stufe um Stufe dieser Höhe entgegenzuführen. Das ist der durchschlagende
Grundgedanke der berühmten Briefe: Über die ästhetische Erziehung
des Menschen. Wie man sieht, ganz etwas anderes, als was gegenwärtig
als Kunsterziehung, als höchste Errungenschaft der neuesten Pädagogik so laut
gepriesen wird.
Nie und nirgends will Schiller eine einseitige Kunstpflege in der Erziehung
empfohlen haben. Wir gingen ja davon aus, daß man als das Charakteristikum
des Schlllerschen Gedankens die Art anzusehen habe, wie er bewußt und durchdacht
das Schöne zum Sittlichen in Beziehung setzt. Im ästhetischen Gefühl sollen
wir zu jener inneren Befreiung reifen, die er so ernst und eindringlich uns vor
die Seele stellt, durch das sinnliche Mittel sollen wir von der Sinnlichkeit frei
werden. An den Zeitidolen der derzeitigen Kultur übt Schiller ebenso wie Kant
die denkbar schärfste Kritik. Nur daß seine sittliche Kritik auch ästhetisch mit
bestimmt ist. Er sieht überall das Unschöne der Einseitigkeiten, der Zerstückelung,
der Disharmonie. Er sieht „den Geist der Zeit zwischen Verkehrtheit und Rohigkeit,
zwischen Unnatur und bloßer Natur, zwischen Superstition und moralischem Un
glauben schwanken." Die Totalität des Menschen ist in jedem Stande, jedem
Berufe gefährdet. Dagegen hilft alle einseitig intellektuelle oder ästhetische Bildung
nichts. Wenn ihn in den niederen Klassen die dort herrschenden rohen gesetzlosen
Triebe abstoßen, „die sich nach aufgelöstem Band der bürgerlichen Ordnung ent
fesseln und mit unlenksamer Wut zu ihrer tierischen Befriedigung eilen," so geben
andrerseits „die zivilisierten Klaffen den noch widrigeren Anblick der Schlaffheit
und einer Depravation des Charakters, der desto mehr empört, weil die Kultur
selbst ihre Quelle ist." „Die Aufklärung des Verstandes, deren sich die ver
feinerten Stände nicht ganz mit Unrecht rühmen, zeigt im ganzen so wenig einen
veredelnden Einfluß auf die Gesinnungen, daß sie vielmehr die Verderbnis durch

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