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I. Abteilung. Abhandlungen.
Maximen befestigt." „Aus dem Natur-Sohne wird, wenn er ausschweift, ein
Rasender; aus dem Zögling der Kunst ein Nichtswürdiger."
Nicht Berstandesbildung, nicht Kunstpflege also ist es, was hier helfen und
heilen kann. Wir muffen die Totalität in unsrer Natur, welche die Kunst zerstört
hat, durch eine höhere Kunst wiederherstellen. Noch weniger kann der Staat, als
solcher dazu helfen, das von der Kultur Getrennte wieder in Harmonie zu
bringen. So sehr Schiller mit den anderen großen Geistern seiner Zeit von der
französischen Revolution das Beste für Kultur und Sittlichkeit erhofft hatte, weil
eine solche innere Fäulnis kaum anders als mit Gewalt ausgefegt werden
konnte, — er mußte mit seinen Idealen dem in Frankreich aufflammenden Freiheits
geiste zujubeln und war als Dichter der Räuber seinerseits von der französischen
Regierung zum Bürger der freien Republik ernannt worden! — so bald hatte
er doch erkannt, daß mit gewaltsamen Staatsumwälzungen der wahren Kultur,
dem sittlichen Fortschritt nicht gedient sei. Das jetzige Zeitalter, sagt er nun
resigniert, trägt noch gar nicht die notwendigen Bedingungen einer moralischen
Staatsverbesserung in sich. „Man muß jeden Versuch einer solchen Staats
veränderung so lange für unzeitig und jede darauf gegründete Hoffnung so lange
für chimärisch erklären, bis die Trennung in dem inneren Menschen wieder auf
gehoben und seine Natur vollständig genug entwickelt ist, um selbst die Künstlerin
zu sein und in politischer Schöpfung der Vernunft ihre Realität zu verbürgen."
Mit anderen Worten: Nicht erst die Verfassungen und Verhältniffe bessern wollen,
um dann den Menschen zu bessern, sondern umgekehrt; der Weg zum Heil geht
nun einmal nicht von außen nach innen, sondern von innen nach außen! Die
Vernunft hat geleistet, was sie leisten kann, wenn sie das Gesetz findet und
aufstellt; vollstrecken muß es der mutige Wille und das lebendige Gefühl. Wenn
die Wahrheit im Streit mit Kräften den Sieg erhalten soll, so muß sie selbst
erst zur Kraft werden. Der Charakter muß gebildet und gestählt werden,
soll die Menschheit vorwärts kommen. Zum Weisesein gehört Kühnheit, Er-
mannung: sapere aude! „Energie des Mutes gehört dazu, die Hindernisse
zu bekämpfen, welche sowohl die Trägheit der Natur als die Feigheit des Herzens
der Belehrung entgegensetzen." „Wo der Charakter straff wird und sich ver
härtet, da sehen wir die Wissenschaft streng ihre Grenzen bewachen und die
Kunst in den schweren Fesseln der Regel gehen; wo der Charakter erschlafft ist
und sich auflöst, da wird die Wissenschaft zu gefallen und die Kunst zu ver
gnügen streben."
Schnelle und sichtbare Erfolge muß eine solche Charaktererziehung nicht zu
gewinnen hoffen. „Der reine moralische Trieb ist aufs Unbedingte gerichtet, für
ihn gibt es keine Zeit, und die Zukunft wird ihm zur Gegenwart, sobald sie
sich aus der Gegenwart notwendig entwickeln muß. Vor einer Vernunft ohne
Schranken ist die Richtung zugleich die Vollendung, und der Weg ist

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