Die bildende Kunst in der Volksschule.
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Nein, es ist doch die Macht des sozialen Gedankens an sich, der wenigstens
weiteren Kreisen sozusagen immanent geworden ist als treibende Kraft ihres
Handelns. Daneben ist es natürlich auch die Liebe zur Sache selbst, hier die
Liebe zur Kunst, die die neuen Losungen hervorgerufen hat: Flach, gekünstelt,
raffiniert ist die Großstadtkunst, die nur dem Genuß weniger Kreise dient.
Darum heraus aus diesem verflachenden Niveau, zurück in den Schoß der Mutter
Natur, zurück zur „Heimatkunst". Was in dieser scheinbar so einfachen
und doch viel reicheren Umgebung geboren, das ist originell, voll charakteristischer
Züge, das hat seine Geschichte. Jeder Bauer hier hat seine Stammes-, seine
Geschlechts-, seine Arbeitsgeschichte, die ihre Züge nicht nur in das Gesicht, auch
in den Charakter hineingegraben. Jede Dorfstraße hat ihre eigene Poesie, ihre
eigene Entstehungsgeschichte und ihre Freuden, länger und reicher als die Sieges
allee in Berlin. Jede Bergzacke, ein erhabener Thron, hat ihren Wetterkönig,
jeder Baum hat seinen Geist und jedes Herz hat seine Hütte, seine Heimat,
daran es hängt, darin es wurzelt. — Und was die größten Geister in der
Kunst der Dichtung und Malerei zu allen Zeiten gesunder Einkehr und deutscher
Innerlichkeit mit großer und reiner Freude, ja mit hoher Begeisterung erfüllt
hat, sollten wir das nicht mit allem Eifer durch einen kräftigen Heimatschutz
erhalten, um daraus zu vernehmen, wie so uralt und doch immer neu die Natur
um uns her, was vor uns die Menschen gefühlt in Liebe und Leid, in Furcht
und Hoffnung, und das doch immer neu lebendig Wiederhall findet auch in
unsern Herzen? Und wenn vielleicht das gegenwärtige Geschlecht noch nicht oder
nicht mehr fähig ist, diese Güter in ihrem idealen, unberechenbaren Werte zu
schätzen, ist das nicht eine Aufforderrng mehr, das Wort „Volkskunst" auf
die Fahne zu schreiben, um dem Volke, auch dem Geringsten im Volke, die
Künstler nahezubringen, die uns die Schönheiten der deutschen Natur enthüllen,
die deutsche Volksseele uns erschließen können, die in schlichter, einfacher Größe
zu jedermann reden von den Schätzen, die auf und an den Wegen liegen und
an denen so mancher Fuß achtlos vorübergeht? Sollen wir nicht auf das
dankbarste begrüßen die rege Arbeit, die die „Hamburger Lehrervereinigung zur
Pflege der künstlerischen Bildung in der Schule" getan hat, eine Arbeit, die der
„Dürerbund" auf das ganze Volk ausdehnen will? Sollen wir nicht dankbar
willkommen heißen die mancherlei Anregungen, die der Kunsterziehungstag in
Dresden und Weimar aus dem Kreise der Künstler, der Gelehrten und der
Schulmänner uns gegeben, und nicht zuletzt auch die Bemühungen opferfreudiger
Verleger, die die zaghaften Anregungen der Theoretiker gleich in die kühne
Praxis übersetzt und uns wenigstens die vielverheißenden Anfänge einer wohl
feilen und doch großen und originalen Volkskunst ermöglicht haben?

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