Zur Schulverfassung.
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weisen deshalb jede derartige Regelung des religiösen oder konfessionellen
Charakters der Schule mit aller Entschiedenheit als eine ungerechte und unwürdige
Behandlung ab, und wir gehen darin sogar konseguenterweise noch bedeutend
weiter als Zillessen.
Zillessen richtet aber in den Verhandlungen über dir Schulverfassungsfrage
mit seinen obigen Darlegungen dadurch eine recht böse Verwirrung an, daß er
als eine der Stellen, die sich der Gewissensbedrückung schuldig mache, auch die
Schulgemeinde schlechthin bezeichnet. Weder schränkt er diesen Tadel aus
gewisse Sorten von Schulgemeinden ein, noch nimmt er irgend eine davon aus,
sondern er faßt sie alle ohne Ausnahme unter diesen Begriff zusammen. In
folgedessen wird auch die Dorpfeldsche Schulgemeinde von diesem harten Tadel
getroffen, und auch ihr wird dieses Brandmal der Ungerechtigkeit angeheftet.
Und doch ist dies, um in der Ausdrucksweise Zillefsens zu reden, ein „himmel
schreiendes Unrecht" gegen sie. Sie wird dadurch in recht häßlichen Verruf ge
bracht ohne auch nur die geringste Spur eines triftigen Grundes, denn gerade
sie und nur sie bietet den einzig gangbaren Weg dar, um die erziehliche
Gewissensfreiheit allen ohne Ausnahme widerfahren zu lassen und sie alle gegen
Gewissensvergewaltigung nach Möglichkeit zu sichern. Kann ihr Ansehen deshalb
wohl schlimmer geschädigt werden, als wenn ihr solch ein schwerer sittlicher
Makel angehängt wird? — Und das geschieht von einem Manne, der so häufig
wie kein anderer sich zur Bekräftigung seiner Darlegungen auf Dörpfeld beruft
und zudem noch nachdrücklich behauptet, „im Geiste und in den Grund
anschauungen" mit ihm übereinzustimmen; dessen Darstellung also bei jedem
nicht genügend Orientierten den Anschein erwecken muß, daß er in denselben
Bahnen sich bewege und demselben Ziele zustrebe wie Dörpfeld. Das Verhalten
solcher Freunde vermag wohl den Notschrei auszupressen: „Gott, bewahre
mich vor meinen Freunden, vor meinen Feinden will ich mich dann schon selber
schützen!" — Oder sollte der Geist von Dörpfelds Streben auf dem Gebiete
der Schulverfassung so außerordentlich schwierig zu erfassen sein, daß er nur
sehr wenigen Auserwählten sich erschlösse? — Ich denke, die Leser dieses Blattes
werden mir darin zustimmen: Was Dörpfeld, ein Meister in der Deutlichkeit
und Ausführlichkeit, in dieser Hinsicht mehr als 40 Jahre hindurch in den ver
schiedensten Variationen und von immer neuen Gesichtspunkten aus mit hellen,
klaren Gründen entwickelt und vertreten hat, nämlich die göttlichen und natür
lichen Rechte der zurückgedrängten Familie gegenüber den ungebührlichen Vor
rechten ihrer Vormünder: Staat, Kirche und Kommune, das kann ein jeder
normale Mensch erfassen. Und Zillessen ist dieser Punkt nachweislich nicht un
bekannt geblieben, denn er hat sich schon mehrmals bewogen gefühlt, sich mit
ihm auseinander zu setzen. Warum unterläßt er denn nun aber alles, wodurch
dem vorgebeugt werden konnte, daß die Dörpfeldsche Schulgemeinde, das wert
vollste Erbe seines Freundes, durch sein Verhalten so völlig grundlos in
bösen Leumund gerät?
Wie höchst ungerecht es ist. die auf dem Familienrecht aufgebaute Dörp
feldsche Schulgemeinde unter den Begriff der von Zillessen skizzierten Schul
gemeinde zu stellen, würde seinen Lesern durchaus nicht haben verborgen bleiben
können, wenn er auch die Rechtsgrundlage der aufgeworfenen Frage einer ein
gehenden Erörterung unterzogen hätte, was doch eigentlich die unerläßliche Vor
bedingung war. Holen wir darum sein Versäumnis hier nach, auch schon um

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