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II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
deswillen, weil gerade dieser Punkt bei den Verhandlungen über die Schul
verfassung gewöhnlich am allerwenigsten mit der wünschenswerten und gebührenden
Deutlichkeit und Achtsamkeit behandelt wird.
1. Die Rechtsgrundlage der Schulgemeinde oder der Familie.
Alle die mancherlei Veranstaltungen und Einrichtungen des Schulwesens
beziehen sich doch im letzten Grunde auf die Bedürfnisse der zu unterweisenden
Ninder. Nun sind diese aber, wie jedermann weiß, keine selbständigen Objekte
und ebenso auch kein herrenloses Gut, sondern sie sind noch unmündig und un
selbständig und gehören, obgleich in den räumlichen Grenzen und im Herrschafts
bereich des Staates und der Kirche lebend, doch direkt weder dem Staate, noch
der Kirche, noch irgend einer andern Genossenschaft an, sondern einzig und allein
den Eltern; genau so naturgemäß, wie auch die Zweige und Äste eines Baumes
nicht irgend einer gewissen Gattung von Bäumen oder den Bäumen schlechthin
oder dem Walde usw. gehören, sondern dem bestimmten Einzelexemplar, dem sie
entsprossen sind und dessen Saft und Kraft sie ihr Dasein und Gedeihen ver
danken Demgemäß haben auch lediglich die Eltern ein direktes natürliches und
moralisches Eigentumsrecht auf die Kinder. Sie haben also innerhalb des
Familienkreises ein eigenes Rechtsgebiet zu verwalten, wie hinsichtlich des wirt
schaftlichen Lebens, der Leibespflege, des religiösens Lebens, so auch hinsichtlich
der Erziehung und Bildung ihrer Kinder. Dieses naturgesetzliche und göttliche
Rechtsverhältnis innerhalb der Familie ist auch prinzipiell in allen Staats
verfassungen anerkannt und respektiert und zwar, was wohl gemerkt sein will,
ohne daß hinsichtlich der Bekleidung, der Ernährung, der Leibespflege, der er
ziehlichen Einwirkung usw. den Eltern, abgesehen von höchst vereinzelten Aus
nahmen, durch irgend welche bindende Vorschriften bestimmte Schranken gezogen
wären. Das Was und Wie in diesen Dingen zu bestimmen, steht eben ganz
selbstverständlich den Eltern zu. Nur in dem Falle, daß die Eltern dieses völlig
natürliche und moralische Verhältnis derart verletzen, daß das allgemeine Rechts
gefühl sich mit gutem Grunde darüber empört, was aber erst unwiderleglich
nachgewiesen werden muß, nur in dem Falle werden die Eltern auch des daraus
hergeleiteten Rechts entkleidet; also bis dahin gilt der Familienkreis allgemein
als ein unantastbares Heiligtum, als ein eigenes Rechtsgebiet.
Wenn nun aber auch infolge der hochgesteigerten Anforderungen unserer
heutigen Kulturstufe jetzt vielfach zur Befriedigung der verschiedenen Bedürfnisse
über den für sich allein nicht mehr zureichenden Kreis der Familie hinausgegriffen
werden muß und so auch zur Erzielung einer vollauf angemessenen Ausbildung
unserer Jugend für die Lösung der gegenwärtigen vielseitigen Aufgaben durch
Zusammenschluß der einzelnen Familien die Bildung leistungsfähigerer Korpora
tionen und die Errichtung besonderer Anstalten, der Schulen, sich als zweck
mäßig oder notwendig erweisen, also die Ausbildung der Kinder den Charakter
einer mehr öffentlichen Angelegenheit annimmt, so läßt sich doch daraus nicht der
mindeste Grund entlehnen, die auf die natürlichen Beziehungen der Eltern zu
ihren Kindern basierten Rechtsverhältnisse als ausgeschaltet oder aufgehoben an
zusehen. Diese bleiben vielmehr, weil ja gänzlich außerhalb des Zweckes jener
Vereinigung stehend, uneingeschränkt in Kraft, wie solches ja auch beim privaten

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