Zur Schulverfassung.
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Schulwesen ziemlich deutlich zum Ausdruck kommt; die Kinder sind und bleiben
ungeschmälertes Eigentum der Eltern.
Als „das höchste der sozialen Rechte und Güter", und darum als „der
wichtigste Teil des Bestimmungsrechtes der Eltern in Erziehungssachen" ist nun
die Gewissensfreiheit zu betrachten. Soll daher das Gewissen, ein durchaus
individuelles, persönliches Sensorium in sittlichen „Fragen „nicht entwürdigt und
die Grundvoraussetzung aller Moral und Religion, die Persönlichkeit vernichtet
werden, so muß den Eltern das Recht zugestanden werden, ihre Kinder nach
denjenigen sittlich-religiösen Grundsätzen zu erziehen und erziehen zu lassen, zu
denen sie selbst sich bekennen," so muß die Gewissensfreiheit auch bei der ge
meinsamen öffentlichen Erziehung nicht nur gesetzlich anerkannt werden und
voll zur Geltung kommen, sondern auch, wegen der Konkurrenz der verschiedenen
Mitinteressenten, hinreichend verbürgt und geschützt sein. Um dies aber rechtlich
und gesetzlich zu ermöglichen, ist es erforderlich, daß die an der Schulerziehung
und -bildung direkt beteiligten Eltern sich zu einem Verbände, der Schulgemeinde,
zusammenschließen, der nun als deren Vertreter und Träger der Schulanstalt,
anerkannt als eine juristische Person, die Rechte der vereinigten Fa
milien wahrnimmt und verteidigt. — „Da die Erziehung eine gemeinsame
sein soll, so muß ferner aus erziehlichen und unterrichtlichen Gründen, also aus
pädagogischen Rücksichten gefordert werden, daß die Keime zu inneren Kon
flikten möglichst beseitigt werden, daß somit die verbundenen Familien in den
wichtigsten Erziehungsgrundsätzen übereinstimmen, also vor allen Dingen ge
wissenseinig sein müssen. Die Schulgemeinde muß sich darum nach dem
völlig freien Belieben der Eltern so bilden und abgrenzen dürfen, daß diese
Gewissenseinigkeit voll zur Geltung kommt und demnach die gesamte Schul- und
Lehrordnung nach diesen übereinstimmenden Grundsätzen einheitlich eingerichtet
werden kann" (Fundamentstück 88). „So werden also innerhalb einer Koim
mune diejenigen evangelischen Familien, welche eine evangelische Konfessionsschule
wünschen, sich zu einer oder mehreren konfessionell evangelischen Schulgemeinden
zusamnienschließen, die katholischen Familien tun desgleichen, ebenso etwaige
Dissidenten und jüdische Familien, wenn dieselben in der Kommune so zahlreich
sind, daß sie eine eigene Schule beanspruchen können. Das wären dann sämtlich
konfessionelle Schulgemeinden mit Konfessionsschulen. Sind nun auch Familien
vorhanden, welche zwar zu irgend einer der staatlich-anerkannten Religions
gemeinschaften gehören, aber für ihre Kinder keine Konfessionsschule wünschen,
und sind sie so zahlreich, daß sie eine eigene Schule beanspruchen können, —
nun, das Elternrecht gilt für sie so gut wie für die Konfessionellgesinnten; sie
mögen also zu einer simultanen Schulgemeinde sich verbinden, und erhalten
dann eine paritätische Gimultanschule. . Wir sehen also: eine Schul
ordnung nach dem Prinzip des Elternrechts oder der wahren Schulgemeinde löst
die alte Streitfrage von Konfessions- und Simultanschule ganz von selbst und
zwar streng im Sinne der Gewissensfreiheit. Der Begriff „Schul
gemeinde" schließt eben die Gewissensfreiheit als ein wesent-
liches Merkmal in sich. Jeder kann die Schule bekommen, die er wünscht,
ohne daß andere dadurch beeinträchtigt werden. Kann es eine Schulordnung
geben, die besser dem Grundsätze der Gewissensfreiheit entspricht, als die,
welche auf das Elternrecht, auf den Begriff der echten Schulgemeinde sich aus
baut? . . . Schulgemeinde — oder was dasselbe ist: Zamilienrecht —

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