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II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens re.
sogar die Scheinrechte der Familie im öffentlichen Schulwesen von ihm zugemessen
werden, das wird sich nachher noch deutlicher zeigen. Jedoch nicht die Schul
gemeinde allein wird durch solches Verfahren Zillessens in Mißkredit gebracht,
sondern damit zugleich die ganze Dörpfeldsche Schulverfassung. Denn wenn das
Fundamentstück schon so sehr der Gerechtigkeit ermangeln läßt nach Zillessen, wie
kann dann von dem Oberbau etwas Besseres erwartet werden? Wie wenig
Zillessen indes berechtigt ist, zugunsten seiner Anschauungen die Dörpfeldsche
Schulverfassung in eine so außerordentlich ungünstige Beleuchtung zu bringen,
das wird uns ein Blick auf die Behandlung der übrigen Interessenten mit aller
Deutlichkeit lehren.
II. Die Rechtsgrundlagen der andern Interessenten.
Run haben aber nicht nur die Eltern ein Interesse an dem leiblichen und
geistigen Gedeihen und Wohlergehen der Kinder, sondern in gewissen Grenzen
oder in gewisser Hinsicht auch die bürgerliche Gemeinde, der Staat und die
Kirche, sowie jede andere gemeinnützige Gesellschaft, denn deren eigenes zukünftiges
Befinden wird doch in hohem Grade bestimmt durch die intellektuelle und sittliche
Beschaffenheit des heranwachsenden Geschlechts. In ähnlicher Weise sind jene
Gemeinschaften ja auch an der ökonomischen Existenzfähigkeit ihrer Glieder
interessiert, also an Landwirtschaft und Industrie, Handel und Gewerbe, weil
diese ja die materielle Grundlage ihres Bestehens ausmachen. Dieses Interesse
an der materiellen Wohlfahrt der einzelnen und dadurch auch der Allgemeinheit
ist seil den ältesten Zeiten fort und fort durch mancherlei Einrichtungen, gesetz
geberische Maßnahmen und Unterstützungen betätigt worden, wie durch Errichtung
von industriellen und landwirtschaftlichen Musteranstalten, durch den Bau von
Verkehrswegen, durch Gewährung von Subventionen und anderen persönlichen
und sächlichen Unterstützungen. Gleichwohl würde es eine allgemeine Verurteilung
finden, wenn sich nun eine Gemeinschaft einfallen ließe, nach sozialdemokratischem
Programm das Eigentumsrecht der einzelnen Privatleute an jenen Gütern nicht
zu respektieren und eine größere Beschränkung in deren Verwendung zu verlangen,
als durch die Rücksicht auf das allgemeine Wohl tatsächlich erfordert wird.
Was nun aber auf diesem Gebiet der materiellen Wohlfahrt als löblich gilt und
in guter Übung geschieht, das deucht uns auch das Rechte auf dem Gebiete der
öffentlichen Jugendunterweisung, der geistigen Wohlfahrt zu sein. Somit muß
auch beim öffentlichen Bildungswesen ausdrücklich anerkannt werden, sofern die
Regelung als gerecht gelten will, daß diese Angelegenheit in Respektierung des
familiären Eigentumsrechts eigentlich und wesentlich in den Bereich der Familien
angelegenheiten hineinfällt und darum die endgültige Entscheidung in allen
Fragen, die das Wohl und Wehe ihrer Kinder betreffen, stets einzig und allein
den natürlichen Erzeugern und Versorgern, den Eltern, vorbehalten bleiben muß.
Sodann aber muß auch den andern beteiligten Lebensmächten, sobald sie ihre
wohlverstandenen Interessen auf diesem Gebiete richtig erkannt haben und be
tätigen, das Recht zugestanden werden, jene auf dem Elternrecht aufgebaute
Sphäre mitzupflegen und mitzubeeinflussen, sowohl hinsichtlich der Schularbeit,
als auch hinsichtlich der Schulverwaltung und Schulgesetzgebung, soweit dies im
Einverständnis mit der normalen Familie möglich ist; aber diese dürfen niemals
ein direktes Recht über dieses Gebiet beanspruchen, weder Staat, noch Kirche,

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