Zur Schulverfassung.
217
noch irgend eine andere Genossenschaft kann souverän darüber disponieren.
Also erst, nachdem durch die völlig freie Gewissensentscheidung der Eltern die
Schulgemeinde eingerichtet und somit einerseits das Eigentumsrecht der Eltern
anerkannt und gewährleistet und andrerseits die wesentlichste Vorbedingung zur
Errichtung der Schulanstalt und einer gedeihlichen Schularbeit geschaffen worden
ist, erst dann kommt in der Verwaltung des so fundierten Schulwesens auch
das Mitinteressentenrecht von Staat, Kirche, bürgerlicher Gemeinde, Päda
gogik usw. zur Geltung, indem ihnen durch Bildung von kollegialen Instanzen
gleichberechtigter Interessenten bis zur höchsten Spitze hinauf Gelegenheit gegeben
wird, im Zusammenwirken mit den Eltern nun auch ihre speziellen Interessen
auf dem Schulgebiete nach jeder Richtung hin gebührend zu vertreten und zu
wahren.
HI. Das Verhältnis der Schulverfaffungsanschauungen Zilleffens
zu denen Dörpfelds, sowohl im einzelnen als auch insgesamt.
Gegenüber dieser großangelegten und allen Interessenten gerecht werdenden
Schulverfassung im Sinne Dörpfelds weist die Zillessensche Organisation als
kollegiale Instanz nur einen armseligen, ungesunden, dem einseitig-kirchlichen
Einfluß untergeordneten Schulvorstand auf, der demzufolge als Institution des
Schulwesens dem fünften Rad am Wagen gleichkommt und nur die Kirche zu
befriedigen vermag.
Daneben her geht noch ein anderer charakteristischer Unterschied. Dörpfeld
will im Sinne seines Wahlspruchs: „Es wächst der Mensch usw." durch seine
Organisation für die Förderung des Schulwesens möglichst alle das Volksleben
bestimmenden Lebenskräfte auslösen und freimachen, also zur positiven Arbeit
aufrufen und auf dem Schulgebiete ein verheißungsvolles Neues pflügen, wobei
er der festen Zuversicht lebt, daß das Gute dank der göttlichen Weltordnung
sich aus eigener Kraft und vermöge seines höheren inneren Wertes schon von
selbst zur Herrschaft verhelfen werde. Zillessen hingegen ist vor allem und fast
lediglich darauf bedacht, die Strömungen im Volkskörper, die der hergebrachten
Schulverfassung bedrohlich zu werden scheinen, durch Schutzmaßregeln aufzuhalten
und zurückzudrängen, und als das beste Mittel dazu erscheint ihm die mit einer
äußerlich machtvollen Stellung ausgestattete Kirche. Sein Wirken trägt also
einen vorwiegend negativen Charakter, er will die alte Ordnung, obschon ihre
Untüchtigkeit durch die vorliegenden mangelhaften Zustände für jeden Einsichtigen
längst erwiesen sind, im wesentlichen beibehalten wissen.
Dazu kommt noch ein Drittes. Dörpfelds Absicht beschränkt sich nicht nur
darauf, durch seine Organisation dem Schulwesen den Charakter der Volks
tümlichkeit und Naturwüchsigkeit zu erhalten bezw. wieder zu verschaffen, sofern
er durch fremdartige Einflüsse im Laufe der Zeit verloren gegangen ist, sondern
er bezweckt dadurch im letzten Grunde, die im Dienste des Schulwesens erstarkten
Erziehungskräfte weiterhin zur gleichen Tätigkeit und zum gleichen Zwecke auch
auf den andern Lebensgebieten, in Familie, Gemeinde, Staat und Kirche anzu
regen und anzuspornen, und dadurch auch in diesen Gemeinschaften einen Re
formationsprozeß einzuleiten und so lange zu unterhalten, bis jede derselben zu
einer beseelten und durchsittlichten Lebensgemeinschaft ausgewirkt sei.
Fassen wir alles dies zusammen, so ergibt sich: Dörpfeld erstrebt eine das
16

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.