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II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
Recht der Persönlichkeit voll achtende und allseitig gerecht organisierte Erziehungs
gemeinde, deren Leben und Weben unter dem Wirken der Gottesgabe Vernunft
und dem im menschlichen Gewissen sich bezeugenden Gotteswillen sich vollzieht;
Zilleffen aber eine Gemeinde, die innerhalb der von der Kirche gesteckten Schranken
ihr Leben auswirkt.
Daß dieses seine wahre Herzensmeinung ist, das läßt sich auch aus seiner
letzten Auslassung deutlich ersehen. Obgleich er eigentümlicherweise auf die von
ihm selbst aufgeworfene Frage keine offene direkte Antwort gibt, läßt er doch
durch einige gelegentliche Bemerkungen keinen Zweifel darüber, daß er hinsichtlich
dieser Frage unter den drei genannten Faktoren: Staat, bürgerliche Gemeinde
und Schulgemeinde jedenfalls der .staatlichen Unterrichtsverwaltung"
an erster Stelle die Entscheidung zugesteht, prinzipiell jedoch rechnet er die
Entscheidung über diese Frage zum Rechtsbereich der Rirche, so daß also der
Staat gewissermaßen nur als Sachwalter der Kirche das Bestimmungsrecht über
den religiösen Charakter der Schule ausüben darf. Sollte der Staat etwa er
klären, „die Simultanschule solle ebenso berechtigt d. h. zulässig sein wie die
Konfessionsschule, so würde das ein unberechtigter, um nicht zu sagen frevelhafter
Eingriff in ein fremdes Rechrsgebiet, in das Recht aller Religions
gemeinschaften sein."
Als vollberechtigt gelten ihm nur die auf dem Boden der staatlich-anerkannten
Religionsgemeinschaften stehenden und von ihrem Geiste beherrschten Konfessions-
schulen. Daher hat er sich ja auch schon seit mehr als 20 Jahren mehrfach
dahin ausgesprochen, daß das Interesse der Kirche nicht genügend gewahrt er
scheine, wenn der Geistliche gleichsam nur als priraus inter pares mit dem
Vorsitz im Schulvorstande betraut werde, sondern es müsse ihm auch zugleich
eine besonders große Machtfülle beigelegt werden. So läßt er sich noch neuer
dings in einer Besprechung des bekannten Schulantrages dahin vernehmen:
„In I 2d hätten wir gern gesehen, daß die angemessene Vertretung, die der
Kirche in den Schuldeputationen und Schulvorständen gewährt werden soll,
etwas genauer präzisiert worden wäre. Wir für unser Teil können von der
Überzeugung nicht loskommen, soviel wir auch um deswillen angegriffen und
verlästert worden sind, daß das Interesse der Kirche an der Schule nicht ge
nügend gewahrt, sie also auch in der örtlichen Schulverwaltung nicht „angemessen"
vertreten ist, wenn der von ihr entsandte Vertreter in den betreffenden Korpora
tionen regelmäßig überstimmt wird oder doch überstimmt werden kann" (Monat
liche Mitteilungen 1904, Seite 116). Zilleffen betrachtet es also „angemessen",
daß der mit dem Vorsitz bekleidete Geistliche mindestens so viel Stimm
recht eingeräumt erhalte, wie die übrigen Mitglieder des Schul
vorstandes zusammengenommen besitzen. — Dörpfeld aber rechnet die
Kirche nur zu den Teilinteressenten im Gegensatze zu den beiden Vollintereffenten:
Familie und Pädagogik und spricht ihr deshalb sogar das Recht auf den ein
fachen Vorsitz ab.
Dieselbe grundsätzliche Meinungsverschiedenheit trat ferner auch bei der Be
urteilung des Zedlitzschen Volksschulgesetzentwurfes mit seinen übertriebenen Kon
zessionen an die Kirchen hervor. Zilleffen faßte damals nach einer ausführlichen
Besprechung sein Gesamturteil in die Worte zusammen: „Ich bin mit manchen
Bestimmungen des Zedlitzschen Entwurfs nicht einverstanden. Aber das alles
bedeutet, ich kann es nicht laut genug betonen, keine prinzipielle Gegner-

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