Zur Schulverfassung.
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schaft. Ich wünsche nichts lebhafter, als daß der Zedlitzsche Entwurf zum
Gesetz erhoben wird, und ich danke Gott auf meinen Knien — um der Liebe
willen zu Volk und Vaterland, um der Liebe willen zur evangelischen Kirche und
zum Reiche Gottes — wenn es geschieht." — Eine glühendere prinzipielle Zu
stimmung konnte der Verfasser des Entwurfs nicht gut wünschen.
Dörpfeld bespricht den Entwurf nach seiner vorsichtig und gerecht ab
wägenden Art im „Fundamentstück" auf den Seiten 55 — 63. Weil dieses
Urteil durch einen kurzen Auszug etwas sehr an Gewicht verlieren würde, bitte
ich die Leser, dasselbe an Ort und Stelle selbst nachzulesen. — Geradezu
drastisch aber tritt seine ablehnende Stellung zutage in den Worten, die er in
der Versammlung sprach, in der der „Verein für Herbartische Pädagogik in
Rheinland und Westfalen" und der „Verein evangelischer Lehrer und Schul
freunde" am 12. 3. 1892 Stellung zu diesem Entwurf nahmen. Er sagte
damals: „Wer die Ausführungen der Vorlage (Eingabe an das Abgeordneten
haus!) verstanden hat, der braucht sich um das Schicksal des Entwurfs keine
Sorge zu machen. Als Daniel vor dem Könige Cyrus .stand, nahm er Pech,
Fettes und Haare und kochte es untereinander und machte Küchlein daraus und
steckte sie dem Drachen ins Maul. Und der Drache fraß es und barst davon.
Wenn wir dem Gesetzentwurf unsere Vorlage in den Bauch stecken können, so
wird er ebenfalls unfehlbar auseinanderplatzen, und diese Wirkung würde ein
bloß allgemeines, negatives Votum nicht haben."
Zillessens Schulprogramm.
Stellen wir zum Schluß unserer sachlichen Prüfung einmal das ganze
Schulprogramm Zillessens zusammen, damit die Leser eine Totalwirkung erhalten.
1. Für die Kinder aller der Eltern, die einer staatlich-anerkannten Religions
gemeinschaft angehören, bestimmen vormundschaftlich die letzteren den religiösen
Charakter der Schule.
2. Ein Recht auf Simultanschulen haben nur die Eltern, die außerhalb
der oben erwähnten Religionsgemeinschaften stehen.
Den Eltern, die einer der obigen Religionsgemeinschaften angehören, kann
die Errichtung einer Simultanschule von diesen gestaltet werden, wenn sie nun
einmal nicht anders wollen.
3. Ein Recht auf Beisteuer zu den Schullasten aus allgemeinen
Mitteln haben nur die Konfessionsschulen, und solche dürfen den Simultanschulen
nur dann zuteil werden, wenn die konfessionellen Schulen nach dem Urteil der
Kirche hinreichend versorgt sind. Gleichberechtigt sind die Simultanschulen nur
in Notfällen.
4. Die Schulaufsicht und die Lehrerbildung sollen ebenfalls konfessionell
geordnet sein, und die betr. Beamten werden im Einvernehmen mit der Kirche
angestellt; ebenso ist auch bei der Anstellung der Lehrer eine gewisse Berücksichti
gung der Kirche erforderlich, durch reversale Verpflichtung der Lehrer auf das
konfessionelle Bekenntnis oder bergt.
5. Solange die Ortsschulinspektion bestehen bleibt, sind die Geistlichen als
die berufensten Personen damit zu betrauen.
6. Bei deren Wegfall werden die Geistlichen von Amtswegen mit dem
Vorsitz im Schulvorstande belehnt, und ihnen wird zugleich soviel Stimmrecht
eingeräumt, daß sie nie überstimmt werden können.
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