220 n. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
7. Die Leitung des Religionsunterrichts steht der Kirche zu. d. h. über
die Auswahl des Lehrstoffes, seine Verteilung auf die einzelnen Schuljahre und
innerhalb jedes einzelnen Schuljahres, über die Methode des Religionsunterrichts,
die Zahl der festzusetzenden Unterrichtsstunden in Religion usw. entscheidet an
letzter Stelle die Kirche.
8. Die allgemeine Gesetzgebung steht zwar dem Staate zu, doch hat er
dafür zu sorgen, daß die obigen Rechte der Kirche gesetzlich festgelegt und ge
wahrt werden, und zu dem Zwecke ist es billig, daß jeder Schulgesetzentwurf
vor der Beratung im Landtage der Kirche zur Begutachtung vorgelegt wird.
9. Der Staat hat ferner unter der vorerwähnten Mitwirkung der Kirche
die Ausbildung und Anstellung der Lehrer und die Anstellung der Schulaufsichts
beamten und damit die Schulaufsicht in seiner Hand.
10. Der Staat erläßt endlich, in ähnlicher Weise wie die Kirche für den
Religionsunterricht, die näheren Bestimmungen für die eigentliche Schularbeit.
11. Nachdem so die wirklichen Rechte der Schulwelt unter Kirche und
Staat verteilt sind, wird es der bürgerlichen Gemeinde vergönnt, die Hauptlasten
der Schulunterhaltung zu tragen.
12. Der Lehrerstand darf die eigentliche Arbeit in der Schule weiter ver
richten wie bisher und erhält Sitz und Stimme im Schulvorstande.
13. Die Familien erhalten die Befugnis zuerteilt, zwei oder drei aus
ihrer Mitte zu Schulvorstehern zu wählen, die scheinbar mit den Lehrer wählen
dürfen, die im Verein mit den Schulvorstandsmitgliedern etliche administrative
Handlanger- und Aufpasserdienste zu tun haben, die gleich dem Lehrer dem Vor
sitzenden Geistlichen als erhöhendes Postament dienen und den schreienden Vor
mundschaftscharakter des Schulregiments ein wenig verhüllen helfen müssen.
Man vergleiche damit die aus einem echten freiheitlichen Geiste geborne
Dörpfeldsche Schulverfaffung.
Dörpfeld war also mit allem Bedacht darauf aus, den von Zillessen so
hoch gepriesenen Entwurf gründlich zu Fall zu bringen. Man bedenke wohl,
diese beiderseitigen Gesamturteile sind gefällt worden nach reiflicher Überlegung
und beziehen sich nicht nur auf einen Teil, sondern auf den über alle Teile des
Schulwesens sich erstreckenden ganzen Gesetzentwurf, so daß sie also die beider
seitige Grundanschauung deutlich wiederspiegelu müffen.
Wer nach all diesen Zeugnissen noch an dem Glauben festhält, daß Zillessen
das Schulverfassungsproblem von den gleichen Grundanschauungen aus und aus
demselben Geiste heraus behandelt habe und „im wesentlichen nichts anderes er
strebe" wie Dörpfeld, und diesen Glauben auch öffentlich kundgibt, der wolle
sich dann auch der Verpflichtung unterziehen, einen recht ausgiebigen Nachweis
dazu zu liefern; das hierzu nötige Material liegt doch recht massenhaft vor, und
ich selbst bin jederzeit bereit, eine dahin zielende Arbeit nach Kräften zu unter
stützen.
Nun ist ja freilich schon behauptet worden: „Es sind besonders Dörpfeld
und Horn gewesen, die Zillessen wesentlich bestimmt haben, seine weitreichende
und keineswegs erfolglose Wirksamkeit zur Erhaltung und Förderung des christlich
evangelischen Schulwesens zu entfalten, und sie werden auch wohl gewußt haben,
warum sie das taten. Dörpfeld mußte wissen und wußte es: Zillessen ist ein
Mann, in dem der rechte Geist ist. Das ist eine Tatsache, woran keine nach
trägliche Geister- und Geistesprüfung etwas ändern kann." — Obgleich ich

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