Ein neues Anschauungsmittel für den Rechenunterricht.
221
nicht genau weiß, worauf dieses Urteil sich stützt, so glaube ich doch mit allen
hierfür in Betracht kommenden Tatsachen hinlänglich genug vertraut zu sein, um
die mit solchem Nachdruck aufgestellte Behauptung nicht allein ernstlich in Zweifel
ziehen zu dürfen, sondern, gestützt auf recht zahlreiche direkte und indirekte Zeug
nisse, mit der gleichen Bestimmtheit, und wenn dazu gedrängt, auch mit einem
umfangreichen Beweise, behaupten zu können: „Es ist ein recht gründlicher
Irrtum, daß Dörpfeld in ZiUesien einen Vertreter seiner Anschau
ungen erblickt und ihn zu seinem wirken wesentlich bestimmt habe,
vielmehr hat er zu wiederholten Malen mit vollem Bedacht und aller Ent
schiedenheit es direkt abgelehnt, die Zillessenschen Bestrebungen zu unterstützen!"
Auf Grund meiner eingehenden Prüfung der beiderseitigen Beziehungen
muß ich daher auf meinem schon im Vorjahre dargelegten Standpunkte ohne
jede Einschränkung verharren und schließe mit dem wohl angefochten.cn, aber bis
jetzt nicht widerlegten Satze: Dörpfeld contra Fillessen! Der Wahrheit
freie Bahn, auch wenn sie bitter schmeckt! G. Range.
Sinnt. Die Leser wollen mit diesen Ausführungen auch die im Septemberheft
des vorigen Jahrganges enthaltenen Arbeiten von Grünweller und Horn vergleichen.
Zu der Fußnote der Redaktion daselbst bemerke ich, daß ich aus meiner Autor
schaft des betr. Artikels nie ein Hehl gemacht habe, und daß gerade das daraufhin
erfolgte eigentümliche Verhalten Zillessens die Änderung meiner Stellung zu ihm
bewirkte.
Ein neues Anschauungsmittel für den
Rechenunterricht.
Heute hält man das Gebiet der plastischen Veranschaulichungsmittel für den
Rechenunterricht durchweg für abgeschlossen. Im grundlegenden Unterricht behaupten
die Kugel-Rechenmaschine und der Tillich'sche Rechenkasten ziemlich unbestritten das
Feld. Unter den Sondergebieten ist es schon seit langem die Bruchrechnung, für welche
man passende Veranschaulichung zu schaffen suchte. Über die Notwendigkeit eines be
sonderen Apparates zur Einführung in diesen Lehrstoff kann man verschiedener Meinung
sein. Wenn dieses Gebiet frühzeitig und gründlich in kleinen Klassen, aus welchen
vielleicht noch die schwachbegabten Schüler ausgeschieden und sogenannten Hilfsklassen
überwiesen sind, vorbereitet worden ist, dann kann man möglicherweise ein besonderes
Anschauungsmittel für Einführung in die Bruchrechnung entbehren. Im allgemeinen
sind aber noch die Klassen der Mittelstufe so stark besetzt, daß es nicht nur möglich,
sondern höchstwahrscheinlich ist, daß bei einzelnen schwächeren Schülern Unsicherheiten
und Unklarheiten, ja ein gänzliches Nichterfassen in diesem so wichtigen Gebiete bis in
die oberen Klassen, und bis ins Leben hinein bestehen bleiben. In erschreckendem Maße
zeigt dies oft der Unterricht in den Fortbildungsschulen.
Wenn man sich bei der Einführung in die Bruchrechnung heute zumeist keines
besonderen Veranschaulichungsmittels bedient, sondern sich bestenfalls damit begnügt,
von einer Linie, einem Kreise auszugehen, so wird dabei gewöhnlich übersehen, daß bei
allen diesen bloß graphischen Darstellungen, der Eindruck kein genügend bestimmter,
kein stetiger und darum für schwächere Schüler kein genügend nachhaltiger ist, und daß
man nur bei geweckten Kindern, die in wirklich gründlichem und auf breitester An
schauung fußendem Lehrverfahren durch die ersten Zahlenkreise geführt worden sind, auf
Grund dieser Erkenntnis eine Einleitung in die Bruchrechnung geben kann, die sich nur
auf einige wenige Wandtafelveranschaulichungen zu stützen braucht. Aber diesen Maß
stab kann man noch durchaus nicht an den Durchschnitt unserer Mittelstufeuklassen
legen. Dabei ist ferner zu bedenken, daß durch die häufig einseitige Verwendung des
Bruches in den vier Grundrechnungsarten ein unheilvoller und einer wirklichen Er-

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.