Rundschau.
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Die Einfachheit der Einrichtung bedarf kaum der Empfehlung. Ganz besonders
erfreulich ist es, daß hier über der Bewährung, den Bruch als Teil des Ganzen klar
zu machen, der Begriff des Ganzen selbst immer wieder recht nachdrücklich durch die
eingeschobenen Zwischenkörper, sowie auch dadurch zum Bewußtsein gebracht wird, daß
nicht mit einem, sondern mit mehreren Ganzen in einer Reihe gerechnet werden kann
und zwar unter ausgiebigster Benutzung der Selbsttätigkeit der Schüler. Wenn auch
das neue Lehrmittel sich nur für ein kleines Gebiet des Schulrechnens darbietet, so ist
doch zweifellos, daß sich diese Ausgabe besser verzinst, als mancher — heute für unum
gänglich nötig erachtete — Posten in der modernen Ausstattung unserer Schulen.
E. Gr.
Rundschau.
Realschuldirektor und Seminardirektor. Unter dieser Überschrift bringt das
Korrespondenzblatt für den akademisch gebildeten Lehrerstand folgenden charakteristischen
Erguß:
Der Kultusetat für 1903 sieht für die dienstältere Hälfte der Seminardirektoren
eine nichtpensionsfähige Zulage von 600 Mk. vor. Damit erreichen dieselben ein
Höchstgehalt von 6600 Mk. und zwar alle, da jeder naturgemäß einmal der dienst
älteren Hälfte angehören wird, und jene Zulage in absehbarer Zeit sicher pensionsfähig
wird. Im Gegensatz dazu beziehen nach wie vor die Direktoren der höheren Nicht
vollanstalten gleich den Oberlehrern ein Höchstgehalt von nur 6000 Mk.
Wer sind nun die Seminardirektoren? Erstens Kollegen, welche, wenigstens in
früheren Zeiten häufig, wegen mangelnden Vollzeugnisses nicht darauf rechnen konnten,
Oberlehrer zu werden, und daher zum Kreisschulinspektorat oder zur Seminarkarriere
abschwenkten. Die Zahl derer, welche sich trotz Vollzeugnisses aus anderen Gründen
dieser Laufbahn zuwandten, ist wohl ziemlich gering. Zweitens rekrutieren sich die
Seminardirektoren aus ehemaligen Theologen, die das Rektorexamen abgelegt haben,
also eine Prüfung des niederen Schuldienstes. Drittens sind es Elementarlehrer,
welche nach bestandenem Rektorexamen Seminarlehrer, Kreisschulinspektoren und schließlich
Seminardirektoren geworden sind. Alle diese haben also in der Mehrzahl keine Lehr
befähigung, welche der eines Oberlehrers einer höheren Lehranstalt entspricht. Sie
haben auch keinen höhern Rang als Seminardirektoren denn jene, da der Rang der
Räte 4. Kl. diesen wie jenen nur persönlich beigelegt wird. Trotzdem sollen sie jetzt
ein höheres Endgehalt nicht bloß wie die Oberlehrer, sondern sogar wie die Direktoren
der Nichtvollanstalten erhalten. Es könnte so der Fall eintreten, daß in ein und
derselben Stadt ein ehemaliger Elementarlehrer, der Seminardirektor geworden ist, ein
höheres Endgehalt bezieht als der Direktor der Realschule oder des Progymnasiums,
der studiert und die Staatsprüfung für das höhere Lehramt bestanden haben muß.
Ginge der Landtag auf obigen Regierungsantrag ein, so wäre
das nicht nur eine schwere Zurücksetzung des höheren Lehrerstandes,
sondern auch Wasser auf der Mühle der Seminarlehrer, welche ja
jetzt schon die Gleichstellung mit den Oberlehrern begehren. Werden
die Seminardirektoren besser gestellt als ein bedeutender Teil der Direktoren höherer
Lehranstalten (381 Vollanstalten zu 174 Nichtvollanstalten + 30 Anstalten in Ent
wicklung, nach dem Kunze-Kalender 1903), so ist eigentlich die Konsequenz, die Seminar
lehrer mindestens den Oberlehrern in Rang und Gehalt gleichzustellen.
Es ist daher wohl angezeigt, auf die oben genannte Position des Etats aufmerksam
zu machen, ganz besonders den Vorstand des Vereins der Lehrer höherer Lehranstalten
darauf hinzuweisen.
Mit Recht bemerkt dazu die Preußische Lehrerzeitung: „Wir gönnen jedem Real-
schuldirecktor die 600 Mk. von ganzem Herzen; aber die obige Art der Begründung
zeigt, daß der Standeskoller und die Aufgeblasenheit in manchen Kreisen der akademisch
gebildeten Lehrer noch immer im Wachsen begriffen ist. Sie sind die verzogenen Lieb
linge des jetzigen Kultusministeriums und betragen sich auch als solche."
Eberhard von Rochow. Am 16. Mai dieses Jahres ist die hundertjährige
Wiederkehr des Todestages Eberhards v. Rochow. Seine Bedeutung für die
preußische Volksschule kennzeichnet die Bayr. Lehrerzeitung mit den Worten:

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