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II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
„Als ein Kämpfer für die Hebung der Volksschule, für die Bildung der Volks
schullehrer und für eine ihrem Amte entsprechende Besoldung und soziale Stellung und
als Verfasser des ersten deutschen Schullesebuchs, seines Bauernfreundes oder (nach
dem späteren Titel) seines Kinderfreundes, hat er eine bahnbrechende Tätigkeit zum
Wohle der märkischen Schule ausgeübt. — Zu seinem Gedächtnis sammelt nun das
Deutsche Schulmuseum (Berlin 0. 27, Blumenstraße 63 a) die noch zerstreuten Hand
schriften und Bilder von ihm, sowie selbständige Druckschriften und Zeitungsartikel von
ihm, und über ihn, um sie der gesamten deutschen Lehrerschaft zu freier Benutzung
bereit zu halten."
Das neue Jahrbuch des Vereins für wissenschaftliche Pädagogik (37. Band),
begr. von Ziller, herausgegeben von Prof. Vogt, hat folgenden Inhalt: Schmidt,
Was ist's um Herbarts Zucht? Jett er. Zur Volksschulmethodik. Hemprich, Zur
modernen Kinderforschung. Fack, Lays experimentelle Didaktik. Fritz sch, Briefe
Herbarts an Drobisch. Wilk, Das Werden der Zahlen und des Rechnens im
Menschen und in der Menschheit auf Grund von Psychologie und Geschichte. Just, Miß
verständnisse und falscher Gebrauch der Formalstufen des Unterrichts. Hemprich, Rüdes
Methodik des gesamten Volksschulunterrichtes. Bogt, Die Konzentration des Unterrichts.
Aus Holland. Das Ministerium Kuyper hat einen Gesetzentwurf aus
gearbeitet, welcher in einem wichtigen Punkte den Wünschen der gläubigen Christen
entgegenkommt. Es handelt sich nämlich um die staatliche Unterstützung der
konfessionellen Privatschulen. Nach dem bisherigen holländischen Gesetz
konnte der Staat nur diejenigen Schulen finanziell unterstützen, die sich neutral nennen
und jeden konfessionellen Charakter von sich weisen. Bekanntlich sind diese Schulen
aber in Holland so wenig beliebt, daß Protestanten, Katholiken und auch Israeliten
es vorziehen, eigene konfessionelle Schulen zu gründen. Letztere sind so vor
trefflich gediehen, daß sie sogar eine größere Schülerzahl aufweisen als die neutralen
Schulen. Trotzdem haben nur die neutralen Schulen Anspruch auf Unterstützung aus
dem staatlichen Schulfonds. Die gegenwärtige niederländische Regierung will das
ändern und ein Gesetz zustande bringen, welches den Unterrichtsminister befugt, auch
die konfessionellen Schulen mit Staatsgeldern zu bedenken. Darauf natürlich großes
Geschrei in der Opposition! Aber die Regierung wird sich dadurch nicht irre machen
lassen und den Weg gerechter Reformen weiter wandeln.
Kinderselbstmorde. Auf einer Lehrerkonferenz für den Schulbezirk Löbau machte
Medizinalrat I>r. Krell Angaben, die zu denken geben, über Kinderselbstmorde. Nach
der Sächsischen Arbeiterzeitung führte Or. Krell aus: Für Sachsen sei der Kinder
selbstmord von besonderem Interesse, weil hier die Zahl der Kinder, die ihrem Leben
selbst ein Ziel gesetzt hätten, verhältnismäßig hoch sei. Schon vor 70 Jahren habe
Sachsen neben Dänemark eine hohe Zahl von Kinderselbstmorden aufzuweisen gehabt.
Die jährliche Ziffer aber war bis zur Gegenwart im Auf- und Absteigen begriffen.
Im Jahre 1900 kommt jedoch in Sachsen auf 100 Selbstmorde bereits ein Kinder
selbstmord und 1902 gar schon auf 42 ein solcher. In der Bevölkerungsdichte dürste
man den Grund der Zunahme nicht suchen, da das noch stärker bevölkerte Belgien
Kinderselbstmorde überhaupt nicht aufweise. Nach Siegert seien an den Kinder
selbstmorden die Knaben mit 68 Prozent, die Mädchen nur mit 32 Prozent beteiligt.
Doch stellen sich hier die Verhältnisse zu den verschiedenen Zellen auch verschieden,
u. a. auch wie 4 : 1. Nach dem 15. Lebensjahre aber wechselt das Verhältnis und ist
nun 2 : 1. Das 11. bis 13. Lebensjahr zeigt im allgemeinen den Höhepunkt. Unter
den Monaten des Jahres hat der Dezember die niedrigste Ziffer, der März als die
Zeit der Schulprüfungen die höchste. Dabei entstammen die Selbstmörder den höheren
Schulen im größeren Prozentsatz als der Volksschule. Bezüglich der gewählten Todes
art ist Erhängen an erster Stelle zu konstatieren. Dann folgt Ertränken. Außerdem
kommen noch Vergiften, Fenstersturz, Überfahrenlassen, Erschießen und dergleichen in
betracht. Unter den Knaben wird meist das Erhängen gewählt, unter den Mädchen
das Ertränken. Im allgemeinen erwiesen sich als Ursache der Selbstmorde Geistes
gestörtheit, körperliche Krankheit, häuslicher Kummer, Furcht vor Strafe, überreizter
Ehrgeiz und dergleichen. Selbstmorde infolge Geistesgestörthell steht bei weitem obenan,
ja diese ist fast überall mit in betracht zu ziehen. Neigung zur Melancholie und erbliche
Belastung aber wirkten dabei vor allem bestimmend. Zur Verhütung der Kinder
selbstmorde könnten Schule und Haus beitragen. Das letztere treffe die bei weitem
größte Verantwortung. Lehrer und Erzieher haben sich möglichster Individualisierung

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