Evangelisches Schulblatt.
... , — Juni.
&&&&& I. Abteilung. Abhandlungen, juj*j*j*
Schiller ein Befreier.
Rede bei der Schillerfeier zu Düsseldorf
im Kaisersaale der Städtischen Tonhalle
am 9. Mai 1905 gehalten von
Paul Lauer.
Hochgeehrte Festversammlung! Es kann wohl nie eine würdigere und, in
schlichter Form, inhaltreichere Feier zum Gedächtnis Schillers geben als die,
welche sein großer Freund und Mitstreiter ihm veranstaltet hat, wenige Wochen
nach dem Trauertage, dessen hundertste Wiederkehr wir heute begehen. Auf der
kleinen Sommerbühne des Bades Lauchstädt wurde das Lied von der Glocke
dramatisch dargestellt, die Arbeit des Meisters und seiner Gesellen, der Vorgang
des Gießens sorgsam nachgebildet. Zuletzt trat unter der schwebenden Glocke
eine Schauspielerin hervor und sprach die Worte des Nachrufes, die Sie soeben
aus jugendlichem Munde wieder vernommen haben. Daß der Segen, der von
der Lebensarbeit eines großen Denkers ausgeht, erst nach seinem Tode recht auf
blüht und Früchte bringt, wußte Goethe und sagte es hier voraus. Die Ge
schichte hat ihm recht gegeben. In den glorreichen Kriegen, durch die das
deutsche Volk den Druck fremder Gewaltherrschaft abschüttelte, waren es Schillersche
Gedanken, an denen sich die Begeisterung entzündet hatte. Das strenge Wort,
daß eine Nation nichtswürdig ist, die nicht ihr alles freudig setzt an ihre Ehre,
die Mahnung des sterbenden Edelmannes an sein Volk, einig zu sein, einig —
aus Schillers Dichtung klangen sie hervor und weckten Kampfeseifer und Tatkraft.
Auf den Sieg folgte eine Periode, deren wir noch heute mit schmerzlicher Be-
schämung gedenken: ein Zustand der Erschlaffung, friedlich aber machtlos nach
außen, im Innern unfroh, eine Zeit, deren verborgenes Gären endlich in wildem
Unmut hervorbrach, gewiß nicht zum Segen. Wir würden es vermuten, wenn
wir es nicht wüßten: damals lebte ein Geschlecht, das sich von Schiller ab
gewandt hatte.
Da gab die hundertjährige Feier seines Geburtstages neuen Anlaß, die
Gedanken um ihn zu sammeln. Mit überraschender Einmütigkeit folgte die
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