Schiller ein Befreier.
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ausgesprochen. Er dachte an sich und den Freund, wenn er in scharfen Zügen
diesen tiefgehenden Gegensatz der Geistesanlagen zeichnete; fast mit Bevorzugung
der ihm fremden, jedenfalls mit klarem Blick für die Gefahren der eigenen.
Darin, daß er ein „Idealist" war, lag seine Stärke und seine Schwäche.
Auch seine Schwäche. Schiller wurde berufen Geschichte zu lehren, und
war doch von Natur kein Geschichtsforscher, dessen Aufgabe es sein müßte, mög
lichst ungefärbt zu erkennen und darzustellen, was einmal wirklich gewesen ist.
Ihm galt die Geschichte nur als ein „Magazin für seine Phantasie", als
eine Fundgrube des Stoffes, an dem er seine eigenen Ideen entwickeln konnte.
Auch als Historiker verleugnete er den Dichter nicht; doch eben, was für den
einen eine Erschwerung war, verlieh dem andern Kraft und Schwung.
Die Gestalten der griechischen Götterwelt waren in dem Glauben der Alten
gewiß etwas ganz anderes, als was Schiller aus ihnen gemacht hat. Aber wer
möchte es beklagen, daß er die Sage zum Gefäß genommen hat, um seine aus
der Tiefe quellenden Vorstellungen von Geistesschönheil und Seelengröße hinein
zugießen ? Und nun gar seine Dramen! Schon der unerfahrene Jüngling ver
mochte es, Menschen, die auf den Höhen des Lebens wandeln, in den mannig
faltigsten Situationen, auf allen Stufen der Leidenschaft erhaben zugleich und
natürlich sprechen zu lasten, weil er die starken Gedanken, die er ihnen leihen
wollte, aus dem eigenen Innern schöpfen konnte. Gerade das ist es, was den
Modernen, auch den begabtesten unter ihnen, bis jetzt fehlt. Sie möchten gern
große Menschen darstellen und mit lebendigem Blut erfüllen; doch das Blut,
das in den Adern dieser Dichter fließt, ist nicht das großer Männer. So ver
sagt der hohe Flug, wo er unternommen wird; die Sprache bleibt unbestimmt
oder fällt ins Alltägliche. Bei Schiller in der großen Szene zwischen Elisabeth
und Maria hören wir nicht ein Weibergezänk, sondern den Streit von Fürstinnen.
König Philipp ist sicher nicht der historisch richtige, vielleicht überhaupt kein
möglicher König; und doch weder ein Schalten noch eine Trivialität, vielmehr
die glaubhafte Verkörperung eines großen und tragischen Lebensloses, das wieder
kehren wird, solange es Staaten gibt: des Widerspruches zwischen dem Verlangen,
die Menschen zum Guten zu führen, und der Erfahrung, daß sie sich nur
durch schlimme Mittel wollen lenken lasten. Oder nehmen Sie aus dem
Wallenstein, aus der Fülle des kriegerischen Gemäldes, die männlichste Gestalt,
die der Gräfin Terzky. Gewiß, sie spricht in Jamben und in Schillerschem
Wohlklang; aber echte Züge von Charakter und Klugheit leuchten aus diesem
Bilde, die. abgesehen von jeder geschichtlichen oder literarischen Voraussetzung, un
vergänglich ihre Lebenskraft behalten.
Mit dem allen sind die Haupthelden in Schillers dramatischer Dichtung
noch kaum berührt: Don Carlos selbst, sein edler Freund, Wallenstein, die
Jungfrau von Orleans, Wilhelm Tell. Überblickt man diese Reihe und gedenkt

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