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I. Abteilung. Abhandlungen.
im Fluge der Taten und Schicksale, die durch die Namen angedeutet werden, so
zeigt sich, ähnlich wie im eigenen Entwicklungsgänge des Dichters: das Treibende
ist überall der Drang nach Befreiung; sei es die Befreiung eines Volkes von
fremdem Joche oder einer Glaubensrichtung von unterdrückenden Gesetzen oder
eines durch innere Kraft zur Herrschaft berufenen Mannes aus der immerhin
dienenden Stellung, in der äußere Umstände ihn festhalten. Aber die Befreiung
gelingt nicht, oder doch nicht rein. Um den Schweizern die Unabhängigkeit
zurückzugeben, bedarf es des Meuchelmordes; die kühne Hoffnung des Marquis
Posa scheitert an den harten Gewalten, deren Bann er hatte durchbrechen wollen;
Wallenstein fällt und muß vorher erkennen, daß die Macht der Tradition und
des Besitzes, die Ehrfurcht vor dem, was heute gilt weil's gestern gegolten hat,
stärker ist als die stärkste Menschenkraft. Es ist, als ob in dem Unmut des
vergebens ringenden Helden etwas von eigener Empfindung des Dichters zum
Ausbruch käme: Schiller ist den Forderungen seiner Jugend, mit denen er einst
gegen den Zwang der Gesellschaft und des Staates sich empört hatte, nicht
untreu geworden; der alte Stürmer und Dränger lebt noch in ihm. So zeigen
seine Tragödien, immer wieder den schmerzlichen Konflikt des ins Freie strebenden
Menschen mit der einengenden Wirklichkeit.
Anders die lyrische Poesie, die Gedankendichtung seiner gereiften Jahre;
dort erscheint der Streit aufgelöst in eine Harmonie. Frühere Stücke freilich
auch in dieser Gattung verraten noch den leidenschaftlichen Wunsch, die Feffeln
einer alt und starr gewordenen Kultur zu zerbrechen und zu natürlichem Dasein
und Denken zurückzukehren. Wir dürfen nicht vergesien, daß Schiller eine Zeit
lang — ebenso wie Klopstock und Wilhelm v. Humboldt — für die Ideen der
französischen Revolution begeistert war. Aber hier hat er denn doch verstanden,
aus den Tatsachen zu lernen. Als die Schreckensherrschaft begann, als das
Haupt des unglücklichen Königs auf dem Schafott fiel, da wandte er sich voll
Ekel von „diesen elenden Schinderknechten" ab. Wenige Jahre später war es,
daß er den Spaziergang dichtete. Und nun malte er das grausige Bild einer
gewaltsamen Umwälzung, um davon abzuschrecken, und eröffnete statt besten den
Ausblick in eine friedliche Entwicklung. Rückkehr zur Natur, das ist immer
noch die Losung; aber sie soll erfolgen auf dem Boden des Bestehenden, ohne
daß die Erzeugniste geschichtlicher Arbeit zerstört werden. Wie das freilich zu
vollbringen sei, das bleibt die Aufgabe, ein ungelöstes Problem. Und so sehen
wir: ein behaglich Zufriedener ist Schiller auch jetzt nicht geworden, wohl aber
ein zuversichtlich Hoffender. Daß die Kulturtätigkeit der Menschheit, die Ent
faltung edelster Geisteskraft auf die Dauer nicht zum Bösen führen kann, ist
sein Glaube; man könnte sagen: seine religiöse Überzeugung.
Schiller legt einmal sich selber die Frage vor, welche Religion er bekenne,
Lind antwortet: keine von allen — aus Religion. Ein geistreich geprägtes

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