Volkstümlicher apologetischer Kursus.
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deutungen, wie z. B. die Austreibung der Aussätzigen, fehlt es nicht. Ein
moderner Autor würde natürlich alles Wunderbare in der Auszugsgeschichte auf
Rechnung des Zufalls setzen. Diese Wunder waren meistens Ereignisse, durch
die das Land sonst auch heimgesucht wurde, das Wunderbare lag nur in der
Gewalt und in dem Zusammentreffen mit dem Auszug. Ewald hat über den
Auszug aus Ägypten gesagt: „Selbst der Tag von Marathon kann den Hellenen
nicht so geglänzt haben, wie den Israeliten jener Morgen am Schilfmeer." Und
das Lied am Schilfmeer bezeugt dies auch heute noch. Am Sinai wurde die
Synthese zwischen Jahwe und Israel geschlossen. Woher sollte Mose seine
Autorität im Volke bekommen haben, wenn nicht Jahwe hinter ihm gestanden
hätte? Wie hätte er sich vierzig Jahre in einem so halsstarrigen Volke be
haupten können, wie die Juden es sind? Es ist ein Wunder, daß Moses keinen
Schlaganfall bekommen hat, wenn die Juden immer wieder murrten, wie Georg
von Frundsberg, als seine Soldaten meuterten. Gott stand hinter ihm, daher
diese Kraft. Der Name Gottes, wie Mose ihn einführt, ist bekanntlich Jahwe.
Er bezeichnet den souveränen Gott, der von nichts und niemand abhängig ist.
Wellhausen gegenüber hat Giesebrecht es betont, daß wir Israels Ge
schichte gar nicht verstehen können, ohne eine Bundesschließung am Anfang. Aus
dieser Wurzel wächst der Prophetismus hervor. Die Propheten haben es betont,
daß mit dem Abfall Israels auch der Bund hingefallen sei. Moses hat dem
Volke Gesetze gegeben. Die Gesetze gehen vielleicht nicht alle so, wie sie da
sind, auf Mose zurück. Der Priester erteilt Thora im Namen Mosis, und er
war aufs Gesetz angewiesen. Nun reichte das geschriebene Gesetz nicht aus, und
es entstand ein traditionelles Recht. Auf diese Weise ist vielleicht manches im
Pentateuch zu erklären. Das Gesetz hat bei aller nationalen Färbung eine
bleibende pädagogische Bedeutung. Mose hat vielleicht manche semitische Gesetze
aufgenommen. Die Semiten stellen alles unter die göttliche Autorität. Be
sonders hervorzuheben ist am mosaischen Gesetze der milde Geist für die Armen.
Die Gesetze Babylons schützen die Besitzenden, das Gesetz Israels schützt die
Bedrängten. Das Geschlecht ist zwar immer noch ein relativ rohes, aber in
mancher Beziehung beschämt Moses die Gesetzgebung der alten und neuen Welt.
In der späteren Geschichte unter Samuel geht die äußere Theokratie verloren,
und Samuel wird der geistige Träger der Offenbarung. In der Zeit vorher
ging es stark abwärts. Nirgends so wie auf dem Gebiete der Religion ist
Empfänglichkeit die Voraussetzung, um das Erbe der Väter festzuhalten, und so
ist der Niedergang in der nachmosaischen Zeit sehr wohl denkbar. Es ist eine
Unterströmung, die zur Oberströmung geworden ist. Samuel hat wahrscheinlich
die Propheteninnungen ins Leben gerufen. David hat beinahe das Ideal des
Königtums, ein Vertreter des Volkes vor Gott zu sein, verwirklicht. Er war
doch der Mann nach dem Herzen Gottes. Wohl kommen in seinem Leben schwere
Fehltritte vor, er hat aber auch wirklich Buße getan, wie Psalm 32 und 51
bezeugen. David ist der Anfänger der Psalmendichtung. Welche Innigkeit und
Wärme nehmen wir an diesen ältesten Psalmen wahr! David hat den ersten
Anstoß zum Gebetslied gegeben. Salomo war eine etwas kühlere Natur. Er
hat in dem Tempel einen religiösen Mittelpunkt fürs ganze Volk geschaffen.
Auch hat er sich mit der Spruchweisheit befaßt. Das spezifisch Israelitische tritt
in der Spruchdichtung mehr zurück, auch Weise von Theman haben solche Sprüche
gedichtet. Im Buche Hiob sind die Personen ebenfalls keine Israeliten. In

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