Die bildende Kunst in der Volksschule.
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und Maxim Gorki voll Jntereffe verschlingen. Ich bestreite aber, daß dieses
Interesse, dieses Jllusions- und Ergänzungsbedürsnis gesund und, so wie es ist,
berechtigt sei. Ich bestreite, daß die Kunst sich damit begnügen müsse, diesem
Bedürfnis zu dienen. Nicht ein Schein dessen, was die Wirklichkeit versagt,
sondern Verklärung, Vergeistigung, Versittlichung der schweren, ernsten Lebens
arbeit! Die Blüte des Lebensernstes sei die Kunst, nicht eine Selbsttäuschung,
die dann nachher die Misere des Lebens um so schwärzer und härter erscheinen
läßt! Nicht nur vertuscht und doch nur allzu ssüchtig vergessen werden soll die
Not des Daseins, vielmehr soll sie überwunden werden, sei es durch ein kindlich
gläubiges Tragen, sei es durch keckes Aufbäumen des Humors in Kraft und
Lust, sei es in dem idealen Erfassen der Lebensarbeit in ihrem tiefen sittlichen
Charakter, da auch die kleine, unscheinbare oder auch die stete Lebensgefahr
drohende Tagesarbeit mit jener Selbstverständlichkeit, inneren Anteilnahme und
edlen Befriedigung getan wird, die auch den einfachen Ackersmann mit seiner
Last, die den Wildheuer in den Bergeshöhen als Helden der Arbeit erscheinen
lassen, wie uns das alles, von den Meistern des unmittelbar Religiösen zu
schweigen, Künstler wie Dürer, Moritz von Schwind, Ludwig Richter, Hans
Thoma und manche Neuere gegeben haben, Künstler, die sich bewußt waren, mit
ihrer Kunst dem Höchsten im Menschen zu dienen.
III.
Ist es aber in der Tat etwas so Großes, Hohes, Heiliges um die Kunst,
dürfen wir sie dann unserm Volke, unserer Volksschule vorenthalten? Zwar
muß auch das Haus mithelfen und muß unserm Hause geholfen werden zu einer
wirklichen Volkskunst, aber die Hauptsache wird doch die Schule tun müssen.
D. h. die wirklichen Geber sind hier ja die Künstler, die Schule ist vielmehr
die empfangende, die sich nur soll bereichern lassen. Ein Helfer in der Bildung
und Erziehung Ihrer Schüler will der Künstler Ihnen sein, ein eifriger Helfer,
der jede Pause im Unterricht, jeden Augenblick, da die Aufmerksamkeit des
Schülers nicht von Ihnen in Anspruch genommen ist, benutzen will, um un
bemerkt Herz und Phantasie der Kinder mit freundlichen Bildern, edlen Ge
stalten, guten Gedanken zu erfüllen, und es ist Ihre Sache lediglich, dafür zu
sorgen, daß der Künstler mit Ihnen selbst Hand in Hand an den Kinderseelen
arbeitet.
Jedoch dies eine Bedenken wird sich erheben: Ist nicht die Sprache gerade
des bildenden Künstlers zu gebildet, zu fein, zu kompliziert, um von unserm
Landvolke verstanden zu werden? Dürfen wir auch schon bei den Kindern eine
genügende Empfänglichkeit für die Schöpfungen der bildenden Kunst voraussetzen?
Ich stehe nicht an, diese Fragen unbedingt zu bejahen. Und zwar tue ich es
nicht etwa nur aus einem guten Glauben, sondern aus wirklicher Erfahrung.

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