250 II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
dieser Spruchweisheit ist die nationale Schranke durchbrochen. In dem späteren
Spruchbuch des Jesus Ben Sirach ist die Weitherzigkeil der alten Weisheitslehre
vernichtet. Der Fehler Salomos war, daß er zu sehr das weltliche Element im
Auge hatte. Als nun Rehabeam den Rat der Scharfmacher befolgen wollte,
trat die Spaltung ein. Gott wollte nicht, daß Israel ein Reich werde nach
Art dieser Welt, er hatte etwas Besseres mit ihm vor. Was für Gestalten
treten uns nun in der Königszeit in Elias und Elisa entgegen? Jsebel wollte
planmäßig den Jahwedienst ausrotten. Es war eine Kriegserklärung an Jahwe.
Da tritt Elias auf mit der Gerichtsverkündigung. Und Jahwe bekennt sich zu
seinem Propheten. Elisa zeigt uns mehr Gottes liebevolles Walten. Er hat
Seelsorge geübt. Im Neuen Testament ist der Nachfolger des feurigen Elias
kleiner als Jesus, dem Elisa mehr gleicht. Die Schriftpropheten haben dem
Volke nicht erst die Erkenntnis Jahwes vermittelt; sie haben diese Erkenntnis
schon von Mose her gehabt. Der Gott Israels war von Anfang an universal,
und es galt dies nur aufs neue zu bezeugen. Die Propheten sind sehr ver
schieden voneinander und doch ist ihre Grundtendenz einheitlich. Es macht auf
uns den Eindruck, als hätten die Propheten gar viel zu schelten und zu strafen
gehabt. Sie ereifern sich am meisten gegen das, was von den Menschen als
Gottesdienst ausgegeben wurde und es im tieferen Sinne doch nicht war. Es
ist den Propheten ganz klar, daß in dem kommenden Gericht nur ein Rest übrig
bleiben wird. Jeremia betont: Die Beschneidung ist nichts, wenn nicht eure
Herzen und Ohren beschnitten werden. Ja, die Bundeslade und der Tempel
sind auch nichts. Die Propheten haben nicht gegen die Opfer an sich geeifert,
sprechen sie doch im Namen Jahwes von seinen Vorhöfen. Nur gegen die
Opfer, die der Gesinnung nicht entsprechen, richtet sich ihr Eifer. Das Exil
war ein zeitweiliger Fortschritt für die Erkenntnis der Israeliten. Ezechiel wird
vielfach verkannt. Er schaut die neue Gottesordnung mehr in der Gestalt von
Kultusordnungen, und dennoch fordert er: ein Neues muß im Menschen ge
schaffen werden. Im Deutero-Jesasa sind besonders die Ebed Jahwes (Knecht
Gottes) -Lieder hervorzuheben. Der Prophet hat wahrscheinlich eine Person ge
schaut, es ist ihm alles in einer Person vereinigt. Treue Männer sind es dann
später, die das Volk aus dem Exil zurückführen. Den späteren Pharisäismus
muß man noch einmal bewundern, nämlich in der Makkabäerzeit; aber die
politische Selbständigkeit geht verloren, das Heil liegt nicht in einer politischen
Umgestaltung. In Daniel findet sich die Abrechnung mit den Weltmächten.
Unser Heiland hat sich gerade im Blick auf Daniel 7 Menschensohn genannt.
Die alttestamentliche Heilsgeschichte endet mit einer offenen Frage. Der Phari
säismus ist tief gesunken. Es muß etwas Neues werden. Und in Christo ist
das Neue, die Erfüllung gekommen. In ihm ist diese offene Frage beantwortet.
Bei der Diskussion zeigte es sich, daß die Teilnehmer wohl meist mit
den Ausführungen des Herrn Profeffors v. Orelli einverstanden waren. Herr
Pastor Kattenbusch regte durch einige abweichende Ansichten die Diskussion
an einzelnen Stellen besonders an. Herr Professor v. Orelli gab in freund
licher Weise Auskunft auf alle Fragen, die an ihn gerichtet wurden, und prä
zisierte seine Stellung im einzelnen noch schärfer. An der Diskussion beteiligten
sich außerdem noch die Herren: Lic. Sogemeier, Lic. Weber und Pastor
Stein. (Nach der Allgem. Ztg. für die Stadt Barmen.)

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