Rundschau.
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schäften unseres Ländchens, an denen überhaupt Volksschulen bestanden, katholische
Kinder mit evangelischen zusammen unterrichtet wurden. Im Sinne der vor
gesetzten kirchlichen Behörden war das nicht. Und so richtete denn auch die
reformierte clevische Synode, eine eifrige Förderin ihres Schulwesens in jener
Zeit, ihr Augenmerk auf diesen Schaden. Wenigstens erscheint in der vorhin
erwähnten Schulordnung für die reformierten Schulen im Herzogtum Cleve und
in der Grafschaft Mark vom 10. Mai 1782 zum erstenmal, soweit ich sehe,
ein Passus, der die Konfessionalität der Schule amtlich und ausdrücklich ein
schärft, mag er nun veranlaßt sein durch tatsächliche ähnliche Erfahrungen, die
man mit reformierten Eltern gemacht hatte, oder ob er nur dazu dienen sollte,
dem vorzubeugen. Es heißt nämlich IV § 5 ausdrücklich: „Prediger und
Schulaufseher haben darüber zu wachen, daß Eltern und Gemeinsglieder die
Kinder in keine andere als guteingerichtete protestantische Schulen schicken": eine
Maßnahme, durch die den reformierten Kindern auf der einen Seite der Besuch
der Schulen ihren lutherischen Konfessionsverwandten gestattet, andererseits der
der katholischen Schulen ausdrücklich verboten wurde.
Aun-scha«.
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k. 4k.
Der Deutsche evangelische Schulkongreß, der alle zwei Jahre stattfindet, tagt in
diesem Jahre am 14. und 15. Juni in Wernigerode am Harz. Für die Haupt
versammlungen sind folgende Themata in Aussicht genommen: 1. Wer war Jesus?
Referent Prof. D. Lemme aus Heidelberg. 2. Huldigt die deutsche Lehrerschaft wirklich
dem Tews'schen Schulideal? Rektor H. Müller aus Duisburg. 3. Warum ist in den
Bildungswirren der Gegenwart es durchaus notwendig, der Jugendbildung eine ein
heitliche Weltanschauung zugrunde zu legen, und welche muß diese sein? Gymnasial
direktor Prof. l)r. Windel in Herford. — Am Volks- und Familienabend werden drei
Ansprachen gehalten werden: 1. Die Familie als unerläßliche Grundlage des Volks
und Staatswohls? Pfarrer Potz in Rheydt. 2. Der Mensch als Glied der Familie
und in den ihm als Familienglied obliegenden Verpflichtungen. Seminardirektor Or.
Frohnmeyer in Nagold. 3. Der erziehliche Einfluß frommer Väter und Mütter. Hof
prediger Keßler in Potsdam. — Für den 16. Juni ist ein gemeinschaftlicher Ausflug
in den Harz und auf den Brocken in Aussicht genommen.
Für den 29. Rheinischen Lehrertag, der Pfingsten in Saarbrücken stattfindet, ist
folgendes Programm festgesetzt. Am Pfingstdienstag, vormittags von 9 1 / 2 Uhr ab,
tagt die Vertreterversammlung des Provinzialvereins. Daran schließt sich die Haupt
versammlung der Rheinischen Pestalozzistiftung. Mittwoch vormittag früh finden Ab
teilungssitzungen statt, in denen u. a. über Gesundheitspflege in der Volksschule beraten
wird. Gleichzeitig tagt die Militärkommission. Die Hauptversammlung beginnt um
10 Uhr. Den ersten Vortrag, eine Festrede auf Schiller, hielt Geh. Hofrat Prof. vr.
Windelband aus Heidelberg. Lehrer Grote, der Vorsitzende des Elberfelder Lehrer
vereins, behandelt die Simultanschule, Korreferent ist Rektor Müller aus Barmen.
Weiter steht ein Vortrag über die ungeteilte Unterrichtszeit auf der Tagesordnung.
Festliche Veranstaltungen und Ausflüge nach den Schlachtfeldern beschließen die Tages
ordnung.
Streit um Schiller. Die Schillerfeier hat in Elberfeld eine häßliche Störung
erfahren. Es waren dort am 9. Mai 1000 Stück eines hübschen Bandes, enthaltend
die Gedichte und Dramen Schillers, an Schüler der höheren, Mittel- und Volksschulen
verteilt worden. Ein katholischer Rektor hatte aus den von ihm verteilten 5 Büchern
die Räuber, die unverkürzt abgedruckt waren, herausschneiden lassen, nachdem er dazu
die Einwilligung der betreffenden Kinder erhalten, einige andere Rektoren hatten die
Bücher überhaupt nicht ausgegeben. Einige Tagesblätter gingen gegen diese Schulleiter
in heftigster Weise vor, der Stadtschulrat vr. Boodsteiu forderte von allen Schulen
Berichte ein über etwaige Verstümmelungen des gefeierten Dichters, und in der letzten

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