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II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
die State Normal School in West Chester (Pennsylvanien). Die Anstalt hat 650 Zög
linge, von denen etwa nur der vierte Teil männlichen Geschlechts ist. Der
Kursus ist dreijährig, Bedingung für die Aufnahme ist eine gute High School-
Bildung. Das neueste und schönste unter den vielen dem Unterricht und als
Wohnungen dienenden Gebäude, die im Schatten prächtiger alter Bäume auf einer
großen Rasenfläche liegen, ist die Bibliothek, die mehrere Lesesäle und eine kleine
Gemäldesammlung enthält. Religionsunterricht wird nicht erteilt, sonst sind die Unterrichts
gegenstände im allgemeinen die unserer Seminare. Auch wird Englisch und wahlweise
Französisch, Deutsch und Latein getrieben. Die Unterrichtszeiten sind vormittags von
7 3 /4 12 Vs und nachmittags von 1 t —4 Uhr. Die kurze Mittagspause dient dem
zweiten Frühstück. Die Hauptmahlzeit wird um 5 oder 6 Uhr eingenommen. Die
Stunden von 7 bis 10 Uhr dienen der Borbereüung oder werden zu Vorträgen mit
anschließenden Besprechungen benutzt.
Viel Sorgfalt wird auf die Körperpflege der Zöglinge, welche in regelmäßigen
Zwischenräumen durch genaue Messungen und Untersuchungen kontrolliert wird, zu
gewendet. Es wird Turnen und Schwimmen, Spielen mit Festspielen und Wett
kämpfen, im Winter auch Schlütschuhlaufen auf einer großen Eisbahn getrieben. Von
dem Gesundheitszustand der Zöglinge wird deshalb sehr günstiges berichtet.
Besonders erwähnt wird der Untericht in den Naturwissenschaften, wobei einzelne
Klassen in den Laboratorien praktisch arbeüeten, und in Mathematik. In diesem Fach
hörte der Verfasser eine Unterrichtsstunde in einer Oberklasse, die aus 30 Zöglingen,
der Mehrzahl nach junge Mädchen, darunter auch einige farbige, bestand. Die
Leistungen werfen auf die Beanlagung der Mädchen für dieses Fach ein neues Licht.
„An den Wandtafeln, die an allen Wänden des geräumigen Klassenzimmers angebracht
waren, arbeiteten etwa 18 Zöglinge gleichzeitig, und zwar hatte jeder eine Aufgabe
selbständig auszuführen. Einige Beispiele die ich mir notierte seien hier angeführt:
sin 15° — (y 6 — j/2); cos 15° = i(K6+K2);
cos 2 x
Fast alle Zöglinge erwiesen sich als wohlgeübt in der Behandlung der trigonometrischen
Formeln und hatten in verhältnismäßig kurzer Zell ihre Beispiele bis zum Resultate
geführt. Die Aufgaben wurden sodann besprochen und etwaige Fehler in der Ent
wicklung festgestellt." Verfasser sagt mit Recht, daß, was dieses Fach angehe, von
unsern Anstalten nur wenige auf der Höhe dieser Leistungen stehen würden.
Zu den Unterrichtsgegenständen gehört auch der Handarbeitsunterricht. In einer
Unterrichtsstunde arbeiteten 15 junge Mädchen und 10 Jünglinge an der Hobelbank.
Nach den Äußerungen des Lehrers übertreffen die Mädchen die Jünglinge durchweg
durch Sauberkeit der Arbeit.
Die zweite Anstalt war die Rhode Island Normal School in Providence. Auch
hier beweisen die Mitteilungen über Einrichtung und Ausstattung, daß „Drüben"
Wohnen und hygienisches Leben ganz anders gewertet werden, wie bei uns. Das
Gebäude ist auf 280 Schülerinnen berechnet (Externat), es hat 3,4 MMonen Mark
gekostet. Auch hier waren reiche Sammlungen in Laboratorien für den natur
wissenschaftlichen Unterricht, das botanische Laboratorium z. B. enthieft 30 gute Mikroftope.
Dabei suchte eine Anzahl der Schülerinnen nur eine Ausbildung für Kindergärten.
Verfasser erwähnt noch, „daß für die Volksbildung in der Stadt Providence durch
2 öffentliche Bibliotheken gesorgt wird, von denen die ältere nahezu 70000 Bände
zählt und die neuere eine für amerikanische Bibliotheken bemerkenswerte und für den
Schulmann besonders interessante Einrichtung zeigt: eine besondere Kinderbibliothek.
Diese enthält Kinderschriften für jedes Alter, zahlreiche Bilder und Anschauungsobjekte
aus der Naturkunde, Geographie usw. Das Interessanteste aber ist, daß für die
Kinder ein eigenes Lesezimmer eingerichtet ist, in dem sie ihrem Aller entsprechende
Bilderbücher auf Wunsch erhalten und sich zu jeder Zeit in der angenehmsten Weise
beschäftigen und unterhalten können."

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