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I. Abteilung Abhandlungen.
Gott zugewiesenen Sonderberufs, in dem Bewußtsein, daß sie, er
wählt und ausgerüstet als „das Volk des Bundes", ein Vorbild und Segen zu
werden für alle Geschlechter der Erde, und somit vor allem zu überwinden und
zu vernichten die verderbliche Torheit des Götzentums. In freudiger Zuversicht
folgen sie den Führern und Zeugen, in denen solcher Glaube an den allmächtigen
und allgütigen Weltenlenker wunderbar klar zur Erscheinung kam, so namentlich
einem Mose, Josua, David rc. Wie unermüdlich die Geduld eines Mose —,
sie merken es wohl, — nachdem er dessen gewiß geworden, daß der lebendige
Gott ihn, wie er darum gebeten (1. Mos. 23), stets um ihn war, daß „das
Angesicht Gottes" ihn begleitete als „der mitfolgende, unüberwindliche, lebendiges
Wasser spendende Felsen" (1. Kor. 10, 4). Recht zuversichtlich wiederholen sie
einem Josua das Gotteszeugnis: „Fürchte dich nicht, wie der Herr mit Mose
gewesen, so wird er auch mit dir sein, und niemand wird dir widerstehen", und
siegesgewiß folgen sie ihm, wie später auch einem David, in den Kampf gegen
Völker, die ihnen an Zahl, an Waffenrüstung und auch auf den Gebieten der
Wisienschaften und Künste überlegen waren. In eben solcher Zuversicht geht
ein Gideon mit seinen 300 gegen Hunderttausende, ein Simson mit einer ver
achteten Waffe gegen eine große Philisterschar und ein David mit seiner Schleuder
und etlichen Steinen aus dem Bach gegen den gewaltigen Riesen. Wieder und
wieder ist das Bileamszeugnis wahr geworden: „Juda erhebt sich wie ein
Löwenkind, wer wollte ihm widerstehen!" und siegesfreudig jauchzt die Menge in
Psalmgesängen: „Wenngleich das Meer wütete und wallete und Berge ins
Meer fielen, so fürchten wir uns nicht, und einer von uns wird hundert, ja
tausend in die Flucht schlagen, denn der Allmächtige ist mit uns, die Freude
am Herrn ist unsere Stärke." Und zumal die großen prophetischen Zeugen,
Samuel, Elias, Jesaias, Jeremias rc., wie sind sie des mehr und mehr gewiß
geworden, „daß sie von Gott gemacht sind zu einer ehernen Mauer, zu einer
eisernen Säule, zu einer festen Stadt, und niemand ihnen zu widerstehen
vermag." (Jer. 1.)
Entsprechende Erscheinungen finden wir, wie Goethe in dem oben zitierten
Worte darauf hinweist, in der Entwickelung aller Kulturvölker älterer und
neuerer Zeit. Ein Rebukadnezar, sowie auch ein Cyrus, Alexander d. Gr.,
Cäsar, Napoleon I. gehen mit unbeugsamem Mut und erstaunlichen Erfolgen
an die Gründung von Weltreichen, nachdem sie des gewiß geworden, daß sie
vor andern mit hohen Gaben ausgerüstet seien und die Zeitumstände günstig
liegen. Desgleichen auch der Sinn des gesamten Römervolks in seiner Erst
entwickelung, entsprechend der Mahnung eines Vergil: „Tu reZsrs Irnperio
populos, Romane, memento.“
Und wie freudig sind die Söhne unsers Volkes ihren bewährten Führern
gefolgt, einem Armin, Karl d. Gr., Otto d. Gr., Friedrich d. Gr., Wilhelm

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