Zur „Frauenbewegung".
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erschrecklicher wurde, da regte sich in den Herzen der Edelsten aller Völker, zumal
in Israel, ein Ahnen und Hoffen und Verlangen nach einem Heiland und Er
löser; und er ward gesandt von dem himmlischen Vater, der Sündentilger und
Todesüberwinder, uns geschenkt zur Weisheit und Gerechtigkeit, zur Heiligung
und Erlösung." — Welch ein hocherfreulicher Umschwung nun gar bald! —
Es ist verständlich, daß die christliche Religion, die einen Glauben fordert, der
sich in der reinen, selbstverleugnungsvollen Liebe als den rechten, lebendigen er
weist, alsbald besonders in Frauenherzen Wurzel fassen mußte. Nicht wenige
derselben wurden gar bald unwiderstehlich angezogen und gefesselt durch
das ihrer Eigenart so Nahestehende, Verwandte im Jesus
herzen, durch diesen Gei st der Sanftmut und Demut, der
reinsten Sittlichkeit und opferfreudigen Hingebung. Nie hat
der Herr in seinem Erdenleben Ursache gehabt, Frauen zu tadeln, zu schelten.
Wie waren viele derselben allezeit so freudig in der Nachfolge Jesu —, namentlich
die Maria von Nazareth, „die des Sohnes beseligende Worte im Mutterherzen
stillsinnend bewegte," ferner die Maria von Bethanien, die das Gotteszeugnis
von dem Erlösertode und der Auferstehung des Heilandes eher recht erfaßt hatte
als seine Jünger und daher, wie der Herr bezeugte, „zuvorgekommen war,
ihn zu salben zu seinem Begräbnis", sodann auch die Pflegerinnen,
die nach Luk. 8 allezeit treulichst für sein leibliches Wohlsein sorgen halfen.
Als alle Jünger, Johannes allein ausgenommen, ihn in Gethsemane verlassen
hatten, stehen Töchter Jerusalems weinend an seinem Kreuzeswege und etliche
Frauen neben seiner Mutter unter dem Kreuze auf Golgatha. Und am Oster
morgen sind Frauen die ersten an seinem Grabe und die ersten, die den Auf
erstandenen schauen und begrüßen. —
Welch hocherfreulicher Wandel von nun an in der weitern Entwickelung
der Völker, und zwar nicht zum wenigsten durch Fraueneinfluß.
Schon in der ersten Zeit der Ausbreitung des Christentums können heidnische
der neuen Lehre feindselig gegenüberstehende Schriftsteller nicht umhin, voll Er
staunens öffentlich zu bezeugen: „Was fürFrauen haben diese Christen,
wie sind dieselben so sittig, so selbstlos, so schaffensfreudig!" — Bald mehren
sich die solchen Zeugnissen entsprechenden Erfahrungen. „Die großen
Glaubenshelden, die Fürsten im Reiche Gottes", so rühmen die
Kirchenhistoriker, „sind von ihren Müttern erzogen worden" —, so
namentlich ein Basilius d. Gr., Chrysostomus, Hieronymus, Augu
stin, desgl. später ein Bonifatius, Ansgarius, Bernhard v. Clair
vaux, Auselmus v. Canterbury u. a. Bon der Mutter unsers großen
Reformators bezeugt Melanchthon ausdrücklich, „daß sie den großen Glaubens-
mut in dem Herzen ihres Sohnes habe begründen helfen; sie sei berühmt ge
wesen durch ihre Gottesfurcht und treffliche Kinderzucht und ihres fleißigen

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