276
I. Abteilung. Abhandlungen.
Gebets halber, so daß alle andern ehrlichen Frauen sie als ein Exempel der
Ehrbarkeit und Tugend angesehen hätten." — — „Es ist Gott zu danken",
so versichert der edle Fürst Georg v. Anhalt, Koadjutor des Bistums
Magdeburg, „daß die Eltern, sonderlich die lieben Mütter, die
vornehmsten Hauspfarrer und Bischöfe geblieben sind, durch welche die Artikel
des Glaubens und das Gebet erhalten ist, sonst der Pfarrer halber wäre es
fast alles erloschen." — Auch die Profangeschichte liefert eine Fülle von Zeug.
nisten, „daß der Fraueneinfluß allezeit auf das Blühen oder Verwelken ganzer
Nationen von überwiegender Bedeutung gewesen." Wie reichgesegnet ist namentlich
auch das Schaffen etlicher Herrscherinnen unseres Hohenzollernhauses, so ins
besondere einer Königin Luise gewesen! Auch einen Bismarck hören wir
von seiner Gattin rühmen: „Ich kann es gar nicht genug anerkennen, was alles
ich dieser Frau zu verdanken habe." Bemerkenswert auch das Zeugnis des
französischen Historikers Guizot: „Von den 70 Königen, welche die französische
Krone trugen, haben drei ihr Volk geliebt, und diese drei wurden von ihren
Müttern erzogen." — Einstimmig erklären auch die genialsten unserer Päda
gogen, namentlich Comenius, Pestalozzi, I. Paul, „daß die ersten
Jahre unserer Kinder, also die für ihre Gesamtentwickelung einflußreichsten Jahre,
der Mutter gehören." — „Ich glaubte an meine Mutter", so rühmt ein
Pestalozzi, „ihr Herz zeigte mir Gott; Gott ist der Gott meiner Mutter, er
ist der Gott meines Herzens, er ist der Gott ihres Herzens. Mutter, Mutter!
Du zeigtest mir Gott in deinen Befehlen, und ich fand ihn in meinem Ge
horsam. Mutter, Mutier, wenn ich Gottes vergeste, vergesse ich deiner rc."
Und so kommt er zu dem Resultat: „Ich lege die ganze Erziehung des
Menschengeschlechts in die Hände der Mütter." — Ähnliche Zeug
nisse vernehmen wir in sprichwörtlichen Äußerungen aller Nationen. Fast alle
Völker haben das Sprichwort: „Eine Mutter kann eher sieben Kinder ernähren
als sieben Kinder eine Mutter." Der Russe sagt: „Das Gebet der Mutter
holt vom Meeresgrunde herauf." Der Venetianer: „Mutter, Mutter! wer sie
hat, ruft sie, wer sie nicht hat, vermißt sie." Tscheche und Lette: „Mutterhand
ist weich, auch wenn sie schlägt." Der Deutsche: „Muttertreu wird täglich
neu." — „Ist die Mutter noch so arm, gibt sie doch dem Kinde warm." —
„Besser einen reichen Vater verlieren als eine arme Mutter." — „Was der
Mutter ans Herz geht, geht dem Vater nur an die Knie." — Wie charakte
ristisch auch die Bezeichnung „Muttersprache"! „Der schönste Nam' im
Erdenrund, das schönste Wort im Menschenmund ist: Mutter! Ja, keines ist
so tief und weich, so ungelehrt, gedankenreich als: Mutter" (C. Sylva). „Wer
von der Zukunft Früchte begehrt", so mahnt darum von Sybel mit Recht,
„muß die Blüten der Gegenwart pflegen; die besten Blüten aber eines Volkes
sind seine Frauen, bezw. die Mütter." — Leider ist es ja auch in christlichen

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.