Zur „Frauenbewegung".
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Landern wiederholt vorgekommen, daß diese Blüten des Volks erkrankten, daß
Frauen, zumal solche, die den angesehenen, besonders einflußreichen Ständen an
gehörten, gleichgültig wurden gegen das Fundament der Sittlichkeit, das Evan
gelium von Christo, und infolgedessen ihres Sonderberufs vergaßen, — alsdann
erfolgte alsbald ein Sinken auf allen Gebieten des äußern und innern
Lebens —, so namentlich in neuerer Zeit bei den romanischen Völkern. Haupt
sächlich durch den Einfluß verderbter Frauen wurde der Sturz der französischen
und spanischen Bourbonen samt den darauf folgenden Schrecken der Revolution
veranlaßt. — Demgemäß die Klage der „Eglise libre“ anno 1870:
„Wir haben alles, was unter den Menschen rein und heilig ist, verhöhnt. Das
Weib, die Familie und ihre Pflichten, alle häuslichen Tugenden sind für uns
zum Gelächter geworden. Unsere Theater und unsere Literatur sind eine Schule
der Unsittlichkeit geworden. Durch die Frivolität unsers Charakters, durch
unsere lange Gewöhnung an die Knechtschaft, durch unsern rohen Geschmack,
unsere schamlosen Moden, unsere schmutzigen Lieder haben wir unsere Zeit entehrt.
Und sind das nicht alles Vorwürfe, die das weibliche Geschlecht mit doppelt ge
schärfter Spitze treffen?" —
Wenn gegenwärtig in unserm deutschen Volke ähnliche bedenkliche Er
scheinungen hervortreten, wie eingangs dieser Abhandlung darauf aufmerksam ge
macht worden, so weiset uns ja nun das Zeugnis der Geschichte deutlichst auf
ein Mittel hin, das vornehmlich Aussicht bietet, dem drohenden Niedergang er
folgreich entgegenzutreten: es ist die sorgsamere, zweckmäßigere Bildung des
weiblichen Geschlechts. Ich sage ausdrücklich: „eine sorgsamere und zweck-
wäßigereBildung, als sie gegenwärtig meist üblich ist." Welches
die für diesen Zweck besonders beachtenswerten Gesichtspunkte sind, ist in den
obigen Darlegungen wohl hinlänglich angedeutet. Es muß vor allem auf
die heranwachsende weibliche Jugend sorgsam st eingewirkt
werden, daß sie sich der ihrem G.eschlecht zugewiesenen Auf
gabe als einer gar herrlichen, huch wichtigen immer klarer,
freudiger — und demutsvoll! — bewußt werde.
Es dürfte nun wohl zunächst wünschenswert sein, deutlicher darzulegen,
welches die Eigenart des weiblichen Naturells ist. Nicht "wenige
unserer geistvollsten, sinnigsten Forscher haben sich mit dieser Frage eingehend
beschäftigt und im wesentlichen übereinstimmende Resultate herausgestellt. So
z. B. ein Herbart in seinem „Lehrbuch zur Psychologie": „Die Ver
schiedenartigkeit der Geschlechter ist von früher Jugend an kenntlich: Mädchen
werden eher klug und sind eher geneigt, sich in den Grenzen des Sittlichen zu
hallen. Dagegen ist ihre Erziehungsperiode kürzer als bei Knaben. Sie
sammeln daher weniger geistigen Vorrat, aber sie verarbeiten ihn schneller und

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