Zur „Frauenbewegung".
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bezeugt gar trefflich ein R. Rothe, in „Stille Stunden") „sind in
unserm Dr. Luther zusammengefaßt und zur schönsten und reichsten Blüte ge
kommen: Tiefe des Gemüts und kindlicher Sinn, heiliger Ernst und fröhlicher
Scherz, ein Auge, das in die Abgründe der Ewigkeit drang und zugleich mit
Freuden auf jeder Blume des Feldes weilte, ein Mut, der von heftigem Zorn
wallen konnte und doch wieder im heiligen Liede und im fröhlichen Gesänge sich
ergoß. Was deutsche Natur Schönes und Edles von Gottes Gnaden empfangen
hat, das war in ihm vereinigt. Wenn einer ein Symbol der geistigen Einheit
unseres Volkes zu sein geeignet ist. so ist es der Sohn der Thüringer
Berge." -- Es ist fürwahr in der Natur unserer Frau mehr als in der
männlichen der Sinn der Kinder rechter Art, die eher als der Verstand
der Verständigen sehen, erfassen und üben, was recht und gut
ist, und damit verbunden der Geist der Sanftmut und Demut, worin vor
nehmlich zur Erscheinung kommt das eigenartig Anziehende „Ewig-Weibliche",
das allerdings in vollkommenster Reinheit und höchster Fülle uns in unserm
Heilande entgegentritt. Endlich wäre hier noch auf einen Vorzug, der besonders
bei unsern deutschen Frauen hervortritt, hinzuweisen! Es ist das Lehr
talent, begründet in der allen mehr oder weniger „ angebornen Mütter
lichkeit" —, das Talent, das bekanntlich unserm Volke in höherem Maße als
andern Nationen zugewiesen ist. Die Zeugnisse „die Frauen sind geborne
Pädagogen" (Wiese) oder „die praktische Pädagogik, der erste
Unterricht und die wirksamste Erziehungsmethode müssen einer
Mutier abgelauscht werden" (Pestalozzi) gelten insbesondere von unsern
deutschen Frauen.
Es liegt nun wohl die Befürchtung nahe, daß das Bewußtwerden solcher
eigenartigen Vorzüge in Mädchenseelen ein übermäßiges Selbstgefühl, einen phari
säischen Hochmut erwecken könnte. Wiederholt ist ja sogar das Bedenken geäußert
worden, daß ein solches Besinnen über sich selbst schon an sich ein Krankheits-
zustand sei, „indem die Reflexion den gesunden Instinkt störe; wer gesund sei,
der entspreche dem ihm zugewiesenen Beruf aus innerem Naturtriebe und nicht
kraft eines reflexionsmäßigen Sich-Vorhaltens der Pflicht." — Darauf ist zu
nächst zu antworten, daß schon die Weisesten der antiken Kulturvölker solcher
Befürchtung entschieden entgegentraten, indem sie das „Erkenne dich selbst"!
als Grundlage aller Weisheit empfahlen. Aber als noch entschiedener, dringlicher
maßgebend müssen wir in dieser Hinsicht die bezüglichen in der Entwickelung
aller christlichen Völker vollauf bewährten Winke und Weisungen der Heiligen
Schrift erkennen. Sie sagen's ja deutlichst, daß nicht nur jeder einzelne,
sondern auch jede Volksgesamtheit eine Sonderbegabung und
damit zugleich die heilige Pflicht zugewiesen erhalten habe,
solcher Gabe sich bewußt zu werden und mit ihr zu dienen (wie

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